Für die Hater — Katastrophen und Niederlagen
Die größten fußballerischen Peinlichkeiten des FC Bayern: Champions-League-Finals verloren, historische Klatschen, Pokal-Aus gegen Amateure und das Trainersuche-Chaos.
Bayern International — Die Champions-League-Desaster
Die Mutter aller Peinlichkeiten, plus ein Katalog europäischer Demütigungen.
Barcelona 1999 — Die Mutter aller Niederlagen
In 102 Sekunden vom Himmel in die Hölle — die grausamste Niederlage der Bayern-Geschichte.
Vor 90.000 Zuschauern im Fußball-Tempel Camp Nou und einem Milliardenpublikum an den TV-Schirmen wähnt sich der FC Bayern nach dem Freistoßtor von Mario Basler (6. Minute) am Ziel aller Träume. Doch diese werden durch die Tore von Teddy Sheringham (91.) und Ole-Gunnar Solskjær (93.), beide nach Eckbällen von David Beckham, zunichte gemacht.
40.000 Fans im Münchner Olympiastadion quittieren das Aus in allerletzter Minute mit fassungslosem Entsetzen. Es kratzt am Mythos der Kaltschnäuzigkeit und Unbesiegbarkeit nach eigener Führung.
Franz Beckenbauer: Das war die grausamste Niederlage, weil wir so nah dran waren.
102 Sekunden, um genau zu sein. Lothar Matthäus, der sich beim Stand von 1:0 auswechseln lässt, was ihm intern schwere Vorwürfe einbringt. Torschütze Mario Basler wird fast poetisch: Das waren drei Minuten bis zur Ewigkeit.
Da bricht eine Welt zusammen.
Finale dahoam 2012 — Megapeinlich im eigenen Stadion
Gegen die Engländer im eigenen Stadion das Champions-League-Finale im Elfmeterschießen zu versemmeln — megapeinlich.
An diesem 19. Mai 2012 spielt nur eine Mannschaft: der FC Bayern, der durch Thomas Müller kurz vor Schluss in Führung geht und diese durch Didier Drogbas Kopfballtor nach einer Ecke wieder hergibt.
Schon in der Verlängerung üben sie Elfmeter verschießen — Arjen Robben vergibt den Matchball und scheitert an Petr Čech. Im Elfmeterschießen vergeben Ivica Olić und zuletzt Bastian Schweinsteiger und stürzen den Verein tagelang in tiefste Tristesse.
Das fatale Finale dahoam krönt die Seuchensaison 2011/12 — auch in Bundesliga und DFB-Pokal nur Zweiter. Es ist die Initialzündung für die bis heute anhaltende Dominanz.
So etwas wollen sie nicht mehr erleben — deshalb holen sie Matthias Sammer als Sportdirektor.
Bayern vs. Barça — UCL 2015
Das Original frisst die Kopie: Guardiolas Bayern werden 3:0 und 3:2 von seinem Heimatverein gedemütigt.
Im Halbfinale der Champions-League-Saison 2014/15 trifft Pep Guardiolas neues Team auf seinen Heimatverein. Die Kopie gegen das Original. 3:0 gewinnen die Katalanen das Hinspiel. Der 3:2-Sieg der Münchner im Rückspiel ist Kosmetik.
Ancelotti überlistet die Bayern — UCL 2014
Ohne ein einziges Tor und mit der höchsten Heimspiel-Niederlage (0:4) der Europapokal-Geschichte.
Der Titelverteidiger scheitert im Champions-League-Halbfinale an Real Madrid. Sechs Tage nach dem 0:1 in der spanischen Hauptstadt zerstören Sergio Ramos mit einem Kopfball-Doppelschlag (16./20.) sowie Cristiano Ronaldo (34./89.) vor 68.000 Zuschauern die Münchner Hoffnungen. Die Bayern merken sich den Trainer, der ihnen das angetan hat: Carlo Ancelotti wird 2016 Nachfolger von Guardiola.
Schema F unter LvG — UCL-Finale 2010
Bayern verliert 0:2 gegen Inter Mailand — feldüberlegen, aber schematisch, ausrechenbar und uninspiriert.
Der deutsche Meister und Pokalsieger verliert in Madrid das Champions-League-Finale. Diego Milito (35./70.) besiegelt die damals vierte Niederlage in einem europäischen Landesmeister-Finale nach 1982, 1987 und 1999. Inter macht den Dreifach-Triumph perfekt. Die Bayern spielen typischen LvG-Fußball.
Felix Magath — Rache ist süß
2007 beim FCB entsorgt, 2009 schreddern Magaths Wolfsburger den FC Bayern zu Hause mit 5:1.
Felix Magath wird mit den Bayern 2004/05 und 2005/06 Meister und Pokalsieger — zwei Doubles in Folge, zuvor keinem Verein gelungen. Nach der WM 2006 und dem Abgang von Ballack wird er am 31. Januar 2007 nach einem 0:0 gegen Bochum entsorgt.
Beim VfL Wolfsburg verpflichtet er Grafite und Džeko. 2008/09 gewinnt Wolfsburg die Meisterschaft — und schreddern im Frühjahr 2009 den FC Bayern 5:1. Rache ist süß.
0:5 gegen Gladbach im DFB-Pokal (Oktober 2021)
Die höchste Pokalniederlage in der Geschichte des FC Bayern München.
Fünf Tore, Koné schon in der 2. Minute, Bensebaini mit einem Doppelpack, Embolo mit zwei weiteren. Sportvorstand Salihamidžić spricht von einem kollektiven Blackout.
Champions-League-Aus gegen Villarreal (April 2022)
Ein Verein aus einer Stadt mit 50.000 Einwohnern wirft den sechsfachen CL-Sieger raus.
Nach einem 0:1 im Hinspiel reicht das 1:1 im Rückspiel nicht. Für Nagelsmann der Anfang vom Ende.
Schlechteste Bundesliga-Saisons
Die aus Bayern-Hater-Sicht erfreulichsten Spielzeiten.
Das Jahr nach Franz Beckenbauer — 1977/78
Sieben Niederlagen nacheinander — die größte Negativserie der Vereinsgeschichte.
Sie beginnt mit einem 0:2 in Mönchengladbach am 22.10., setzt sich fort mit Hertha BSC, einem 3:6-Desaster beim MSV Duisburg, einem 1:3 im Derby gegen die sieglosen Löwen und zwei 0:4-Niederlagen binnen drei Tagen bei Eintracht Frankfurt. Erst dann verliert Trainer Dettmar Cramer seinen Job.
Vier Niederlagen hintereinander — 1991 und 2015
Im Oktober 1991 vier Niederlagen in Serie; Pep Guardiola egalisiert den Wert im Frühjahr 2015.
1991: 1:4 gegen Stuttgarter Kickers, 0:3 gegen Dortmund, 2:3 beim VfB Stuttgart, 2:6 bei Brøndby Kopenhagen. Guardiola 2015: gegen Dortmund im Elfmeterschießen raus, 0:2 bei Leverkusen, 0:3 bei Barcelona, 0:1 gegen Augsburg. Vor Kritik schützt ihn die längst gewonnene Meisterschaft.
2:6 gegen Brøndby Kopenhagen (1991)
Die höchste Niederlage in einem europäischen Wettbewerb — ausgerechnet gegen den Weltklub aus Kopenhagen.
Am 23. Oktober 1991 verlieren die Bayern in der 2. Runde des UEFA-Pokals 6:2. Torschützen Kopenhagen: Manniche (2), Nielsen, Wegner, Kraus, Uldbjerg; München: Mazinho, Münch. Wenige Tage zuvor ist Jupp Heynckes von Uli Hoeneß entlassen worden.
Sechs Niederlagen mit vier Toren Differenz
0:4 bei Ajax, bei Eintracht Frankfurt, bei Barcelona, gegen Real Madrid und bei Zenit St. Petersburg.
1973 im Landesmeister-Cup bei Ajax Amsterdam, 1977 im UEFA-Cup bei Eintracht Frankfurt, 2009 unter Klinsmann in der CL bei Barcelona, 2014 im Halbfinal-Heimspiel gegen Real Madrid. Mehr als eine Blamage: das 0:4 im UEFA-Cup-Halbfinale bei Zenit St. Petersburg.
Die erfreulichsten Hater-Spielzeiten
Die schlimmsten Bayern-Saisons in Zahlen: 1974/75, 1977/78, 1991/92 und 1976/77.
Schlechteste Platzierung: 12. (1977/78). Meiste Gegentore: 65 (1976/77). Schlechteste Tordifferenz: -6 (1974/75). Wenigste Siege: 11, alle zuhause (1977/78). Null Auswärtssiege (1977/78). Meiste Niederlagen: 15 von 38 (1991/92). Wenigste Tore: 55 (1994/95 und 2006/07).
- Schlechteste Platzierung
- 12. (1977/78)
- Meiste Gegentore
- 65 (1976/77)
- Null Auswärtssiege
- 1977/78
- Meiste Niederlagen
- 15 (1991/92)
Besonders blamable Momente
Pokal-Aus gegen Amateure, historische Aufholjagden und das Trainersuche-Chaos.
Das 7:4 gegen Kaiserslautern (1973)
Die überraschendste Wende in einem Bundesligaspiel — von 4:1 geführt, am Ende 7:4 verloren in 33 Minuten.
Am 20. Oktober 1973 liegt der 1. FC Kaiserslautern zur Halbzeit 1:3 hinten. In der 57. Minute erhöhen die Münchener auf 4:1. Fait accompli — die ersten gehen nach Hause. Doch sechs Tore in 33 Minuten: 7:4 für die Pfälzer!
Von den Lesern der Sport Bild 2013 zur besten Partie in 50 Jahren Bundesliga gekürt.
Statistik: 1. FC Kaiserslautern – Bayern München 7:4 (1:3), 12. Spieltag, 20.10.1973. Tore: 0:1 Gersdorff (3.), 0:2 Gersdorff (12.), 0:3 Müller (36.), 1:3 Pirrung (43.), 1:4 Müller (57.), 2:4 Toppmöller (58.), 3:4 Pirrung (61.), 4:4 Pirrung (73.), 5:4 Diehl (84.), 6:4 Laumen (87.), 7:4 Laumen (89.).
0:7 gegen Schalke 04 (1976)
Die höchste Pflichtspielpleite des FC Bayern — Klaus Fischer schießt vier Tore.
Am 9. Oktober 1976 besiegt Schalke 04 den FC Bayern mit 7:0 im Olympiastadion. Tore: Fischer (11., 46., 67., 82.), Kremers (44.), Dubski (64.), Abramczik (74.). 50.000 Zuschauer.
Fast genauso bemerkenswert: Fortuna Düsseldorf gewinnt am 9. Dezember 1978 mit 7:1 — die höchste Auswärtspleite des Rekordmeisters.
Immer wieder Gladbach
Fünf Meisterschaften hat Borussia Mönchengladbach dem FC Bayern geklaut — eine am letzten Spieltag.
1970/71 liegen die Bayern vor dem letzten Spiel beim MSV Duisburg vor den Gladbachern, verlieren aber 0:2. Gladbach gewinnt in Frankfurt 4:1 und verteidigt als erster Verein den Meistertitel.
Trap kann nicht wechseln
Gewonnen und doch verloren — Trapattoni bringt einen vierten Amateur, drei sind erlaubt.
1994/95 gewinnt der FC Bayern 5:2 in Frankfurt, aber das Ergebnis wird wegen eines Wechselfehlers von Trapattoni mit Dietmar Hamann am grünen Tisch in ein 2:0 für Frankfurt umgewandelt.
Keine Chance gegen Kloppo (2012)
Lewandowskis Hattrick im DFB-Pokalfinale — die fünfte Bayern-Pleite gegen den BVB in Serie.
Der 5:2-Sieg im DFB-Pokalfinale 2012 und der Gewinn des Doubles krönen die kurze BVB-Dominanz. Philipp Lahms Aussage danach macht es schlimmer: Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft.
Pokal-Aus gegen Amateure
Dreimal in zehn Jahren gegen Amateure im DFB-Pokal rausgeflogen — Magdeburg, Weinheim, Vestenbergsgreuth.
In Weinheim (1990) und Nürnberg (1994, wohin Vestenbergsgreuth wegen der TV-Übertragung ausweicht) erwischt es sie schon in der ersten Runde. Beide Spiele enden 1:0. Im November 2000 der damals viertklassige 1. FC Magdeburg im Elfmeterschießen (4:3). Was für ein Fest für Bayern-Hater.
Die Nagelsmann-Entlassung (März 2023)
25 Millionen Euro Ablöse bezahlt, nach 20 Monaten gefeuert — die teuerste Trainer-Entsorgung der Bundesliga.
Dazu kommen Abfindung und Tuchel-Gehalt. Zusammen mit den Kosten für Kompany haben die Bayern seit 2021 ~60 Millionen Euro nur für Trainer ausgegeben — mehr als mancher Bundesligist für seinen gesamten Kader.
Die titellose Saison 2023/24
Zum ersten Mal seit 2011/12 gewinnt der FC Bayern keinen einzigen Titel.
Bayer Leverkusen wird ungeschlagen Meister und beendet elf Jahre Bayern-Dominanz. Die erste komplett leere Vitrine seit zwölf Jahren.
Trainersuche-Chaos Sommer 2024
Fünf öffentliche Absagen in Serie — der Rekordmeister wird zum Gespött der Branche.
Xabi Alonso, Nagelsmann, Rangnick, De Zerbi, Glasner — alle sagen ab. Der FC Hollywood-Vergleich wird bemüht. Am Ende kommt Vincent Kompany vom abgestiegenen FC Burnley — ein Name, den niemand auf dem Zettel hat.