Personae Non Gratae — Diese Typen sind unbeliebt
Von Christoph Daum über Jürgen Klinsmann bis Paul Breitner — die kontroversesten Figuren in der Geschichte des FC Bayern München.
Bayern
Manche kamen als Hoffnungsträger und gingen als Persona Non Grata. Van Gaal, Klinsmann, Breitner — sie alle waren Teil des FC Bayern.
Louis van Gaal — Der Tulpengeneral
Der Niederländer gewann das Double — und verprellte dabei fast jeden im Verein.
Van Gaal trainiert die Bayern von 2009 bis 2011. Mit seiner spröden, empathielosen Art verprellt er Spieler wie Luca Toni, Miroslav Klose (den er beim ersten Training nach seinem Namen fragt), Mark van Bommel, Lucio und Ribéry.
Hoeneß greift ihn öffentlich an: Es ist schwierig, mit ihm zu reden, weil er andere Leute Meinung nicht akzeptiert. Es folgt ein Burgfrieden beim Rotwein im rumänischen Cluj, aber als van Gaal Manuel Neuers Verpflichtung torpediert, muss er gehen. Hoeneß hat sich mit vielen Widersachern ausgesöhnt — mit van Gaal wohl nicht.
- Amtszeit
- Juli 2009 – April 2011
- Titel
- Double 2010
Jürgen Klinsmann — Der Gierige mit dem Lächeln
Sowohl als Spieler als auch als Trainer scheiterte der Schwabe beim FC Bayern.
Der Spieler (1995–97) geht als Meister, aber zermürbt vom FC Hollywood. Sinnbildlich sein Tritt in eine Werbetonne nach einer Auswechslung durch Trapattoni. Mit Lothar Matthäus verbindet ihn eine herzliche Abneigung.
Elf Jahre später holt ihn der FC Bayern als Trainer.
Er kommt mit großen Versprechungen: Ein Energiefeld aufbauen, das den Spielern viel Spaß machen wird. Es folgt eine katastrophale Saison: 1:5 in Wolfsburg, 2:5 zuhause gegen Bremen, 0:4 in Barcelona, kein Tag an der Tabellenspitze, Entlassung am 29. Spieltag.
Hoeneß: Klinsmann war der Trainer mit der größten Machtfülle in der Geschichte des FC Bayern. Seine Wünsche wurden nicht erfüllt, sondern überfüllt.
Philipp Lahm: Nach sechs Wochen wussten alle Spieler, dass es nicht gehen würde.
- Als Spieler
- 1995–97, 31 Tore in 65 Spielen
- Als Trainer
- 2008/09, entlassen am 29. Spieltag
Paul Breitner — Persona Non Grata
Der Weltmeister von 1974 darf beim FC Bayern nicht mehr auf die Ehrentribüne.
Es gab einen Anruf von Herrn Dreesen, mir werde von Uli Hoeneß nahegelegt, mich auf absehbare Zeit nicht im Ehrengast-Bereich blicken zu lassen — so Breitner zur Bild im November 2018.
Was ist geschehen? Breitner hat den verbalen Rundumschlag von Hoeneß und Rummenigge bei einer Pressekonferenz kritisiert: Ich bin deprimiert, weil ich mir nie vorstellen konnte, dass sich dieser Verein diese Blöße gibt. Es ist das Ende einer On-off-Beziehung zweier Männer, die seit 1970 gemeinsam Erfolge feierten, eine WG teilten und Freunde fürs Leben schienen.
Seine spitze Zunge hat er stets schlecht hüten können.
Schon 1973: Bei diesem Scheißverein können sie nicht mal richtig feiern.
- Beim FCB
- 1970–1974, 1978–1983
- Hausverbot
- November 2018
Niemals Bayern
Manche waren nie Teil des Vereins — und wurden trotzdem zum Feindbild. Rivalen, Provokateure und der Mann, der in Barcelona traf.
Christoph Daum — Der Verschnupfte
Daum provozierte Bayern über Jahre — und wurde am Ende durch seine eigene Haarprobe überführt.
Christoph Daum hat Trainer-Ikone Jupp Heynckes in den 80er-Jahren in einer Weise angemacht, die Uli Hoeneß lange nicht verzeihen kann. Kostprobe: Die Wetterkarte ist interessanter als ein Gespräch mit ihm.
Legendär ist das Aufeinandertreffen im Aktuellen Sportstudio vor dem entscheidenden Match 1989, als sich Daum und Hoeneß vor einem Millionenpublikum fetzen. Der Streit lebt zwölf Jahre später wieder auf, als Hoeneß die Verhinderung Daums als Bundestrainer betreibt.
Mit seiner Interviewaussage — Wenn unwidersprochen über den verschnupften Daum geschrieben werden kann, darf er nicht Bundestrainer werden — löst er eine Lawine aus.
Hoeneß bekommt Morddrohungen, Daum ist in der Öffentlichkeit der Gute — bis er sich mit seiner Haarprobe, die exorbitanten Kokaingenuss nachweist, selbst überführt.
- Konflikt
- 1989–2000
- Hoeneß-Zitat
- Leute wie Daum müssen wir im Keim ersticken
Jens Lehmann — Der Rivale
Der Torwart nahm Oliver Kahn vor der WM 2006 den Platz als Nummer 1 weg.
Lehmann wurde von Bundestrainer Klinsmann protegiert. Auch wegen spezieller Aussagen über King Kahn — Was soll ich mit ihm reden? Ich habe keine 17-jährige Freundin — wurde er zum Buhmann der Bayern-Fans, die ihn bei einem Länderspiel in München gnadenlos ausbuhten.
Sebastian Kehl — Der Bayern-Verschmäher
Der Mann, der den Bayern-Scheck zurückgab.
Der 21-jährige Nationalspieler hat zunächst eine Vereinbarung mit dem FC Bayern getroffen. Kurz vor Weihnachten gibt er jedoch seinen Wechsel nach Dortmund bekannt. Die von den Bayern gezahlte Summe von 1,5 Millionen Mark überweist er zuzüglich Zinsen zurück. Der Fall Kehl ist der Beginn einer langandauernden Rivalität zwischen Bayern und BVB.
Alan Sugar — Der Feind von der Insel
Der Tottenham-Inhaber hielt nach Klinsmanns Wechsel ein signiertes Trikot hoch: Damit würde ich nicht einmal mein Auto waschen.
Im Transfer-Tauziehen um Klinsmann gerät Sugar mit Hoeneß aneinander. Er kündigt rechtliche Schritte an und will Geld zurück von einem Mann, dem ich in die Augen geschaut und vertraut hatte.
Ole Gunnar Solskjær — Der Torschütze
Er hat dem FC Bayern nichts Böses angetan — außer dem Tor in der 93. Minute.
Champions-League-Finale 1999. Manchester United gegen Bayern München. Solskjær trifft in der Nachspielzeit zum 2:1. Die Mutter aller Bayern-Niederlagen. Fällt irgendwo sein Name, bekommen echte Bayern-Fans Schmerzen an Leib und Seele.