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Zerbrochen am Ruhm

Sebastian Deisler — Das depressive Supertalent

Talent des Jahrhunderts — für 18 Millionen Euro verpflichtet, mit 27 zurückgetreten, zerstört von Verletzungen und Depressionen.

Sebastian Deisler – Das depressive Supertalent: Er gilt als Talent des Jahrhunderts und verdient sich in Mönchengladbach und Berlin seine ersten Sporen. Schon Nationalspieler, verpflichten ihn die Bayern 2002 für umgerechnet 18 Millionen Euro (inklusive Handgeld). Glücklich werden sie mit dem sensiblen Mittelfeldspieler nicht. Seine Verletzungsanfälligkeit wird sein Fluch, erst nach sieben Monaten gibt er im Februar 2003 sein Debüt. Da hat er schon zwei Kreuzbandrisse und eine verpasste WM hinter sich. In München häufen sich die Probleme, Muskelfaserrisse und Knorpelabsprengungen im Problemknie füllen seine Krankenakte. Sie führen schließlich zu psychischen Problemen, weswegen sich Deisler 2003 und 2004 in Behandlung begibt. Mit Felix Magath bekommt er ab der Saison 2004/05 im Gegensatz zu Vorgänger Ottmar Hitzfeld einen Trainer, der auf seine Befindlichkeiten wenig Rücksicht nimmt, im Team wird er gemobbt. Nach nur 62 Bundesligaspielen in viereinhalb Jahren zieht er im Januar 2007 einen Schlussstrich, die Fußballnation ist erschüttert. Die Vorgänge im Trainingslager in Dubai sind dokumentiert im Sport Bild-Buch „Die Rekord-Bayern“ (2017).

„In der Nacht vom 7. auf den 8. Januar wird Uli Hoeneß aus dem Bett geklopft. Der Besucher hat sich telefonisch angekündigt, aber so schnell war nicht mit seinem Erscheinen zu rechnen. Vor seinem Hotelzimmer steht Sebastian Deisler, der Hochbegabte mit dem schweren Gemüt und den kaputten Knien. Noch im Bademantel erfährt Hoeneß davon, dass Deisler seine Karriere beenden will. Mit knapp 27. Sie reden die Nacht durch, Deisler schläft nach Stunden im Gästezimmer der Manager-Suite ein. Das Schauspiel wiederholt sich in den nächsten Nächten bis zur Abreise, die Deisler am liebsten sofort antreten will. Der Manager kämpft wie ein Löwe um den Karrieremüden. Vergebens. Kaum aus Dubai zurück, laden die Bayern am Dienstag, den 16. Januar, zu einer Pressekonferenz. Hoeneß eröffnet sie Punkt zwölf Uhr: „Es ist kein angenehmer Anlass, weswegen wir Sie hergebeten haben. “ Deisler macht es nicht viel länger: „Klar kann ich noch so ein bisschen mitspielen, aber mit der richtigen Freiheit ist es vorbei.

Ich habe kein Vertrauen mehr in mein Knie. “ Seitdem ist er nur sporadisch in der Öffentlichkeit aufgetaucht. “, in der er Vorwürfe gegenüber den Verantwortlichen in Berlin und München erhebt. Deisler ist das Paradebeispiel eines Spielers, den der Profifußball fertig gemacht hat. Bei Prominentenspielen, erzürnt sich Uli Hoeneß, hätten sie ihn abgefüllt und sich dann über ihn lustig gemacht. Also überreden sie ihn, eine Entziehungskur zu machen, auch psychiatrische Hilfe nimmt er in Anspruch. Und seine Frau lässt die Scheidung sein. Der am schlechtesten vergütete Vertrag, den ihm der FC Bayern je gegeben hat, trägt ein Übriges zur Rettung von Müller bei. Seit 1992 ist er wieder angestellt bei den „Roten“. Ich bin vollkommen glücklich, und ich bin beschäftigt“, sagt er 1993, als er die A-Jugend trainieren darf. Er arbeitet fortan auch als Sponsorenbetreuer, Talentsucher, Stürmer- und Torwarttrainer, Co-Trainer bei den Profis und zuletzt bei den Amateuren. Doch dann schlägt die Alzheimer-Erkrankung zu. Der letzte Abschnitt im Leben des Bombers der Nation.

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