Akte FC Bayern München
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Zerbrochen am Ruhm

Gerd Müller — Der Suff und Alzheimer

365 Bundesliga-Tore — ewiger Rekord. Dann Alkohol, Ruin und Alzheimer.

Der Bomber der Nation — oder kleines dickes Müller, wie Trainer Čajkovski ihn nennt. Der Mann, ohne dessen Wirken wir uns immer noch im Holzhäusl umziehen würden (Beckenbauer). Nicht der Größte, nicht der Schnellste, kein Dribbler — aber für eine Dekade der beste Mittelstürmer der Welt.

398 Tore in 453 Ligaspielen, 365 in der Bundesliga, 68 Länderspieltore in 62 Spielen (Schnitt: 1,06). WM-Torschützenkönig mit 14 Toren. Des hast oder hast net.

Des kannst net lernen. Nach der Karriere verschlägt es ihn nach Florida. Dort beginnt die fatale Episode mit dem Alkohol.

Mit Frau Uschi führt er ein Steakhouse, stößt mit jedem an, der mit dem berühmten Bomber anstoßen möchte. So wächst die Sucht. Im September 1991 werden die Probleme öffentlich: angetrunken beim Bayern-Training, Scheidung, Steuerfahnder pfänden Wohnungen.

Der Held einer Generation nur noch eine Witzfigur. Bayern reichen ihm die Hand. Schlimmer hätte es nicht kommen können.

Du bist oben, schwebst im Himmel. Und fällst und fällst. Plötzlich bist du in der Hölle.

Seine Freunde: der Uli, der Franz und der Kalle. Sie überreden ihn zur Entziehungskur. Seit 1992 wieder bei den Roten angestellt — Jugendtrainer, Talentsucher, Co-Trainer.

Doch dann schlägt die Alzheimer-Erkrankung zu. Von 2015 bis zu seinem Tod lebt er in einem Pflegeheim. Der letzte Abschnitt im Leben des Bombers der Nation.

Gerd Müller - Der Suff und Alzheimer: Gerd Müller ist an Alzheimer erkrankt und lebt seit 2015 in einem Pflegeheim. Der Bomber der Nation – oder kleines dickes Müller, wie sein erster Trainer im Profibereich, Tschick Cajkovski, ihn in den 60-er Jahren nennt. Jener Mann, ohne dessen Wirken „wir uns immer noch im Holzhäusl umziehen würden“, wie Franz Beckenbauer gern mal betont. Der Mann, der den Sinn des Fußballs wie kein Zweiter beherzigt: das Runde muss ins Eckige. Gerd Müller, das Phänomen im Strafraum, ist rein physisch nicht der imposanteste Stürmer gewesen – auch nicht zu seinen Glanzzeiten. Nicht der Größte, nicht der Schnellste, auch kein Dribbler – aber für eine ganze Dekade der beste Mittelstürmer der Welt. Er schießt 398 Tore in 453 Ligaspielen, davon 365 in der Bundesliga (ewiger Rekord) und 68 Länderspieltore für Deutschland in 62 Spielen (Schnitt: 1,06) – Rekord bis 2014, als Miroslav Klose mit 71 Toren vorbeizieht, aber bei weit mehr Einsätzen. Als er zurücktritt, ist er WM-Torschützenkönig mit 14 Toren. Was ihn besonders auszeichnet, ist seine Fähigkeit, sich auf engstem Raum zu bewegen, Gegner stehen zu lassen und aus den unmöglichsten Situationen heraus und mit allen Körperteilen Tore zu erzielen. Das kann keiner auf der Welt so gut wie er und das hat er immer gewusst: „Des hast oder hast net. Des kannst net lernen“, lautet das Credo des bayerischen Schwaben, 1945 in Nördlingen geboren. Bis heute ist er Vorbild für eine ganze Gruppe von Mittelstürmern, die sich weniger durch Größe oder physische Präsenz als durch Wendigkeit, Reaktionsvermögen und Antizipation auszeichnen.

Gerd Müller mit Ehefrau Uschi Müller am 20.09.1965
Harmonie im Hause Müller am 20.09.1965. Gerd Müller mit Ehefrau Uschi Müller. Foto: Imago Images/Rolls Press