Es ist der 1. Mai 1979 und die Straßen sind wie leergefegt in diesem historischen Moment, von dem keiner weiß, dass es einer ist. Die meisten Leute sitzen bei einem späten Frühstück und genießen den Tag der Arbeit. Nicht so Uli Hoeneß.
Der steht vor der Eingangstür der Geschäftsstelle des FC Bayern München und weiß nicht so recht, ob er hineingehen soll oder nicht. Als hätte eine unsichtbare Macht seine Gedanken gehört, öffnet sich plötzlich die Tür. Uli!
Komm rein, komm rein! Paul Breitner steht lachend im Türrahmen und winkt den alten Weggefährten in die heiligen Hallen. Sie haben mich gestern schon wieder gefragt, ob ich nicht denke, dass du zu jung für den Job bist, Breitner schielt schelmisch zu seinem Mannschaftskameraden.
Das ist keine Frage des Alters, sondern eine Sache der Leistung, des Engagements, der Ideen. Ich kann doch ein solches Angebot nicht ablehnen, weil ich 27 bin, erwidert Hoeneß genervt. Mit 35 könnte es vielleicht zu spät sein.
Eine meuternde Mannschaft, die ihren Präsidenten zum Rücktritt treibt? Unglaublich. „Mit einem solchen Kapitän und dieser Mannschaft kann ich nicht weiter zusammenarbeiten“, hat er am 19. März 1979 gegenüber der Mannschaft erklärt, „ich wünsche Ihnen und Ihren Familien alles Gute. Auf Wiedersehen.“ Die Republik macht Kapitän Sepp Maier verantwortlich, obwohl tatsächlich die komplette Mannschaft hinter dem Putsch steht. Gerade noch freut man sich darüber, die rebellische Jugend weitgehend von den Straßen vertrieben zu haben, da rütteln hoch bezahlte Fußballer an den Grundfesten des Geschäfts. Der Arbeitgeber bestimmt über Entlassungen und Neueinstellungen, die Arbeitnehmer dürfen sich ob der Entscheidungen freuen oder ärgern. Eine Art Betriebsrat mit paritätischen Mitbestimmungsrechten bei der Besetzung der leitenden Angestellten eines Fußballklubs gibt es nicht, ein Streikrecht der Arbeitnehmer bei der Besetzung von Trainer- oder Managerposten schon gar nicht.