Akte FC Bayern München
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Legendäre Auftritte

Wenn der Kaiser grollt — Wutrede in Lyon 2001

Das ist Altherrenfußball! — Beckenbauers Gardinenpredigt nach dem 0:3 löst den Champions-League-Triumph aus.

Das Champions-League-Bankett ist für Lover wie für Hater des FC Bayern München eine absolute Pflichtveranstaltung. Es sind Sternstunden der Corporate Identity der Münchner — und zuweilen des deutschen Fußballs. Am 6. März 2001 sitzen die Spieler mit leerem Blick bei Tisch in ihrem Teamhotel in Lyon. Von Olympique Lyon sind sie in der zweiten Gruppenphase der Champions League zuvor mit 0:3 auseinandergenommen worden. Nun muss im letzten Heimspiel gegen den FC Arsenal ein Sieg her, sonst ist man in der Königsklasse früh am Ende. Da muss man was machen, denkt sich auch Bayern-Präsident Franz Beckenbauer. Der Kaiser weiß um die Macht des Mikrofons und um die Kraft der Wutrede. Die Frage ist immer, wie man ein Spiel verliert. Das war heute eine Blamage. So, wie wir gespielt haben, das hat nichts mit Fußball zu tun. Das ist eine andere Sportart, die wir spielen. Wir haben zugeschaut, wir haben körperlos gespielt. Das ist nicht Fußball, das ist Uwe-Seeler-Traditionsmannschaft, Altherrenfußball! Tut mir leid, wenn ich das so sagen muss. Es ist so. Es hat von der Tribüne aus vermutlich noch schlimmer ausgesehen, als Ihr es unten auf dem Platz mitbekommen habt. Das hat nichts mit Fußball zu tun! Wir sind sicherlich in einer Situation, wo wir noch einiges retten können. Nur, ihr müsst euer Spiel komplett umstellen. Es ist fünf Minuten vor Zwölf! Anschauungsunterricht war der heutige Gegner. Das ist Olympique Lyon, das ist nicht Real Madrid, FC Barcelona oder Manchester United — und wir haben heute eine Vorführung bekommen. Warum? Weil die Einstellung nicht gestimmt hat. Weil wir zurzeit einen Fußball spielen, der einfach nicht mehr adäquat ist. Den hat man vielleicht vor 30 Jahren gespielt.

Ihr müsst Euch schleunigst wieder an das Einmaleins des Fußballs gewöhnen: Zweikämpfe. Wenn die Zweikämpfe nicht angenommen werden, bist du immer zweiter Sieger. Auch gegen eine Mannschaft wie heute, die sicherlich eine gute ist, aber nicht zu den besten gehört. Da schaust du aus wie ein Lehrbub, und zum Schluss kannst noch froh sein und sagen: Vielen Dank, dass wir nur 3:0 verloren haben. Für Beckenbauer ist klar: In Zukunft könnt Ihr das nicht machen, sonst müssen wir uns alle einen anderen Beruf suchen! Am nächsten Tag wird bei Harald Schmidt bereits gerätselt, welche Berufe dies sein könnten — und man landet immer beim Fußballprofi. Am Ende wirken Beckenbauers Worte Wunder: Die Bayern-Stars, die sich nach der Wutrede spontan in Effenbergs Zimmer versammeln und schwören, es dem Kaiser zu zeigen, holen sich nach 25 Jahren endlich wieder den Pokal der Landesmeister und verlieren inklusive des Finales gegen den FC Valencia in Mailand kein Spiel mehr. Es ist die bis heute denkwürdigste Pressekonferenz in der Fußball-Bundesliga. Sagen alle. Sagen vor allem die, die dabei waren — und es zum Teil auch nach Jahren noch nicht glauben können. München, 10. März 1998. Als Bayern-Coach Giovanni Trapattoni in einem roten Trainingspullover zwei Tage nach einem 0:1 auf Schalke das Rednerpult im Presseraum betritt, ahnt niemand etwas Böses. Kein Wunder. Der Italiener beginnt seinen Monolog, der in die deutsche Fußballgeschichte und in die Alltagssprache eingehen wird, ganz gemächlich und gesetzt. Es gibt im Moment in diese Mannschaft, so der Mista, oh einige Spieler vergessen Ihren Profi, was sie sind! In der ersten Reihe wird schon gerätselt: Was will uns der Maestro damit sagen?

Die Einstellung stimmt beim FC Bayern in dieser Bundesliga-Saison 1997/98, die man hinter Aufsteiger Lautern als Vizemeister abschließen wird, ebenso wenig wie die Aufstellung. Trapattoni fragt nach, ob auch alle mitkommen: Iss klar, diese Worte, ist möglich verstehen, was ich sage gesagt? Wir versuchen es zumindest, wäre die richtige Antwort gewesen! Jetzt kommt Trap in Fahrt: Ein Trainer ist nicht ein Idiot! Ein Trainer zeigen, sehe, was passieren in Platz! In diese Spiel, es waren zwei oder drei Spieler, die waren schwach wie eine Flasche leer. Für alle, die den Italo-Deutsch-Mix nicht beherrschen: Basler, Scholl und Strunz hatten einfach keinen Bock! Diese Spieler, beklagt Trap, klagen mehr als spielen. Richtig: Wenn es um eigene Ansprüche geht, war dieses Trio schon immer ganz weit vorn. Vor allem ein Spieler geht dem Italiener auf den Maßanzug: Thomas Strunz: Strunz ist zwei Jahre hier, hat gespielt zehn Spiele, ist immer verletzt. Was erlauben Strunz? Es wird ein geflügeltes Wort, wie sich später erweisen wird. Trapattoni hat keine Lust mehr: Ich bin müde jetzt Vater diese Spieler, eh verteidige immer diese Spieler. Auf Deutsch: Er lässt sie fallen und wohl auch zu Recht: Ich habe immer die Schulde über diese Spieler, einer ist Mario, andere ist Mehmet. Strunz hat nur gespielt 25 Prozent diese Spiel. Und er schließt mit Ich habe fertig. Noch so ein Satz, der es in die deutsche Alltagssprache schafft. Am Saisonende hat Trapattoni in der Tat fertig. Wenigstens verabschiedet er sich mit dem DFB-Pokal über die Alpen. Das 2:1-Siegtor im Finale gegen Duisburg erzielt übrigens Mario Basler.

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