Nonsens nach Noten mit den Bayern-Stars. Mehr Fremdschämen hat der FC Bayern, hat die Bundesliga nicht zu bieten, als wenn die Stars der Münchner zum Mikrofon greifen! Wir wissen natürlich nicht, wie viele Maß Bier nach einem Bayern-Sieg notwendig sind, um diese Lowlights aus der Welt des deutschen Schlagers und der Pop-Kultur ohne wirklich schlechtes Gewissen mitzusingen. Den Anfang macht der Kaiser. Franz Beckenbauer nimmt 1966 den seichten Song Gute Freunde auf. Bis heute hat Beckenbauer die Scheibe, die es in Deutschland nur auf Rang 31 schafft und später als Titelsong der ARD-Fernsehlotterie weiter die Zuhörer quält, als Jugendsünde abgestempelt. Aber noch immer wird er in der Allianz Arena gespielt. Text und Musik kommen von Kurt Hertha und Rolf Arland, die eigentlich für Hit-Garanten wie Al Martino oder Alice und Ellen Kessler tätig sind. Bei Franz ist selbst dieses Dynamic Duo machtlos — oder es hat mit lustloser Reimerei (Laß doch die andern reden, was kann denn schon geschehn, wir wollen heut und morgen nicht auseinander gehen) einfach einen schlechten Tag erwischt. Die B-Seite der bei Polydor erschienen Single lautet übrigens Du allein, nur falls das mal bei Jauch gefragt wird. Der Titel ist allerdings auch Jahre später noch gefragt. Die Amigos, Marianne und Michael und Die jungen Zillertaler, traditionell immer ganz nah dran am guten Geschmack, covern Gute Freunde. Bei Gerd Müller hat es beim FC Bayern in Form von Bundesliga-Toren 365-mal bumm gemacht. Bei dieser sportlichen Komponente hätte es der Bomber der Nation belassen sollen.
Stattdessen wagt sich der Nördlinger 1969 ebenfalls ins Tonstudio — und heraus kommt mit Dann macht es Bumm ein peinliches Machwerk, das selbst die B-Seite Wenn das runde Leder rollt nicht retten kann. , förmlich anzumerken. Jeden Samstagnachmittag, ja da ist was los, bemüht sich der Bomber, immer wieder ist die Spannung riesengroß. Alle wollen Tore sehn, das ist sonnenklar, wenn es klappt, dann ist es wunderbar. Immerhin, gesteht Frau Uschi Jahre später, ihr Gerd würde das sicher nie wieder tun. Damit eine Bayern-Platte Gold gewinnt, muss erst 1982 der Belgier Jean-Marie Pfaff vom SK Beveren nach München kommen. Der Torhüter macht musikalisch zwar nicht unbedingt eine bessere Figur als zuvor der Franz und der Müller-Gerd. Aber: Er vermarktet die Peinlich-Scheibe Jetzt bin ich ein Bayer einfach professioneller. Nicht nur das. Er spendet die Goldene Schallplatte auch noch Papst Johannes Paul II. bei einer Audienz. Inwiefern der Papst mit der Textzeile Ich trinke Bier und esse Leberkäs mit Eier klarkommt, ist nicht überliefert. Nur indirekt beteiligt — und das muss man im Nachgang absolut schade finden — beim Bayern-Sturm in die Hitlisten ist Karl-Heinz Rummenigge. Das englische Ehepaar Alan und Denise Whittle kommt am 13. Oktober 1982, beim Länderspiel England gegen Deutschland im Londoner Wembley-Stadion (1:2) auf die Idee, die sein Leben verändern wird. Die beiden Lover sind so sehr in die sexy knees von DFB-Star Karl-Heinz Rummenigge verschossen, dass sie spontan zur Feder greifen und mit Rummenigge (All night long) einen Kult-Trash-Klassiker rund um den FC Bayern produzieren.
Der dazugehörige Videoclip kommt mit minimalistischem Aufwand aus und könnte auch im Wohnzimmer von Alan und Denise gedreht worden sein. Jedenfalls wissen sie von einem Fußballspieler over in West Germany zu berichten, der sexy knees hat. In Deutschland dribbelt sich Rummenigge, am Anfang genervt von dem Lied, bis auf Rang 43 der Hitparade. Die eilig nachgeschossene, deutsche Version kommt mit Wolfgang Fierek und Cleo Kretschmer: Rummenigge — Tag und Nacht. Und wir bleiben dabei: Schade, dass Karl-Heinz Rummenigge genervt war. Eine Sangeseinlage mit Wolfgang Fierek wäre ihr Geld wert gewesen. So bleiben Liebhabern der Fußball-Schlager-Szene nur Rummenigges Einsätze bei Olé España und Mexico mi amor mit Michael Schanze und Peter Alexander vor den Weltmeisterschaften 1982 und 1986. Erreicht werden die Niederungen der Sangeskunst nur noch von den sprechakrobatischen Darbietungen von Karl-Heinz als Co-Kommentator für die ARD in den 90er Jahren. Ein Paradebeispiel des rhetorischen Zufalls. Einfache Sachverhalte macht man kompliziert, für komplizierte Sachverhalte weicht man auf dadaistische Satzkonstruktionen aus. Gerd Rubenbauer und Heribert Faßbender auf der einen Seite und Rummenigge als Sidekick — das war für vier Jahre Fußball-TV der ARD vor der Jahrtausendwende. Rummenigge: Wenn man über rechts kommt, muss die hintere Mitte links wandern, da es sonst vorne Einbrüche gibt.