Akte FC Bayern München
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Bayern auf der Leinwand und im Tonstudio

Bayern-Stars auf der Leinwand

Von Sepp Maier in Pickelhauben-Uniform bis Beckenbauer in Libero — Bayern und das Kino.

Der Berliner Regisseur Werner Jacobs (1909 — 1999) hat mit Sicherheit bessere filmische Projekte umgesetzt als die Verfilmungen von Ludwig Thomas Lausbubengeschichten. Wir erinnern uns an zeitlose Klassiker wie Und sowas muss um 8 ins Bett, Die Lümmel von der ersten Bank — Zur Hölle mit den Paukern oder Was ist denn bloß mit Willi los? Auf den Lümmel von der ersten Bank, Jung-Star Hansi Kraus alias Pepe Nietnagel, greift Jacobs 1967 gleich zweimal zurück. Neben dem Pauker-Film dreht er mit Kraus auch Wenn Ludwig ins Manöver zieht, den zweiten Teil der Lausbuben-Geschichten von Thoma. Die Besetzung ist prominent. Neben Kraus und Heidelinde Weis versuchen sich Georg Thomalla, Claus Wilcke (Hui Buh) und Friedrich von Thun in der bayerisch-preußischen Militärklamotte. Und weil schon 1967 niemand mehr am FC Bayern München vorbeikommt, werden die Spieler Sepp Maier und Gerd Müller sowie Trainer Zlatko Tschik Cajkovski gleich mit gecastet und in Uniformen samt Pickelhaube gesteckt. Heute ist das natürlich politisch völlig unkorrekt. Cajkovski als Armeekoch, Sepp Maier als Sepp Maier und Gerd Müller als Müller — man kann erahnen, wie intellektuell anspruchsvoll diese Komödie ist. Den Kritikern reicht es: Manchmal hat man den Eindruck, einen Werbefilm vor sich zu haben. Das Gefühl wird man auch 1973 nicht los, als endlich auch ER vor die Kameras tritt.

Gemeint ist der Sozialkritiker Franz Beckenbauer, der als Libero im gleichnamigen Film über ihn selbst einen kritischen Blick hinter die Fassade der Münchner Kicker-Schickeria der frühen 1970er Jahre wirft. Es tun sich Abgründe auf. Mit vor allem einer bitteren Erkenntnis: Ich hör auf mit dem Fußball. Um dieser drastischen Forderung gegenüber Harald Leipnitz Nachdruck zu verleihen, fordert der Kaiser: Gib mir an Whisky, I spiel eh nimmer. Der Film wird von der Kritik zerrissen, nur nicht von Alt-Bundestrainer Sepp Herberger, der ihn auch sehen muss: Mer wolle ja nix Schlechtes sagen! lautet sein irgendwie doch schlechtes Urteil. Im Jahr 1976 reitet dann Hardy Krüger alias Potato Fritz unter der Regie von Peter Schamoni über die Kino-Leinwand. Mit dabei: Sergeant Stark alias Paul Breitner. Dazu kommen die Berufs-Bösewichte Anton Diffring (Agenten sterben einsam) und Arthur Brauss (Das Mädchen von Hongkong) sowie die blonde Schönheit Diana Körner. Dazu die Musik von Udo Jürgens — mehr Kult-Kino geht eigentlich nicht. Der Erfolg scheint garantiert. Oscar-verdächtiges Western-Kino Made in Germany, wir wären gerne am Set mit dabei gewesen. Dass der tot geglaubte Captain Henry am Ende den Indianern zu ihrem Recht verhilft, ist sicher auch im Sinne des Fußball-Rebellen Paul Breitner.

4. Näheres zum magischen Dreieck Beckenbauer, Netzer und Dreyfus findet sich u.a. hier: https://www.sueddeutsche.de/sport/fussball-netzer-im-strudel-der-wm-affaere-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-151028-99-08361

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