Am 1. Mai 2008 verliert der FC Bayern München im Halbfinalrückspiel des UEFA-Pokals mit 0:4 gegen Zenit St. Petersburg. Es ist die höchste Bayern-Niederlage im Europacup seit dem Halbfinale im UEFA-Pokal 1980 bei Eintracht Frankfurt (1:5). Aber anders als im Mai 1980 im Frankfurter Waldstadion hat das Spiel im Petrovsky-Stadion von St. Petersburg ein Geschmäckle. Die spanische Justiz ermittelt wegen des Verdachts, dass bei der Partie, die die Russen durch Tore von Pavel Pogrebnyak (2), Konstantin Zyrianov und Viktor Fayzulin gewinnen (Hinspiel: 1:1) Bestechung im Spiel ist. Der Nationale Gerichtshof in Madrid bestätigt wenig später, dass ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden sei. Der deutsche Meister reagiert in einer schriftlichen Stellungnahme abwartend. Dem FC Bayern München ist dieser Verdacht ebenso wenig bekannt wie der Münchner Staatsanwaltschaft. Wir werden versuchen, jegliche etwaige Information zu diesem Vorgang zu erhalten. Das Spiel, so berichten die spanischen Zeitungen El Pais und ABC unmittelbar danach, soll für 50 Millionen Euro verkauft worden sein. Ihre Behauptung und die Annahme der spanischen Justiz stützen sich auf abgehörte Telefongespräche von russischen Mafia-Bossen in Spanien. Der Chef eines einflussreichen kriminellen Unternehmens soll sich in einem Gespräch mit einem Kollegen gerühmt haben, den Erfolg von Zenit im Halbfinale für 50 Millionen gekauft zu haben. Die Währung sei dabei nicht genannt worden. Der mutmaßliche Mafia-Boss wird im Frühjahr 2008 in Spanien festgenommen. Die Ermittler bewegen sich jedoch offenbar auf dünnem Eis. Es ist nicht einmal klar, ob der Kauf eines Fußballspiels im Ausland nach spanischem Recht einen Straftatbestand darstellt, rudert die Zeitung ABC wenig später zurück. Erst 2010 stellt sich heraus: Die Vorwürfe der Spielmanipulation, die sowohl die Bayern als auch der spätere UEFA-Cup-Sieger Zenit St.
Petersburg abstreiten, stammen von einem Betrüger. Robin Boksic heißt der Mann und er ist Mitarbeiter bei UEFA-Chefermittler Peter Limbacher. Sein Chef ist falschen Informationen, die später auch in einem FIFA-Dossier erwähnt werden, aufgesessen. Und der Kroate Boksic ist mittlerweile als Hochstapler entlarvt. Es gibt nicht viel, was Lothar Matthäus, seines Zeichens Kapitän, Platzhirsch und auch sonst Synonym für den FC Bayern München in Hollywood-Zeiten ab 1995, nicht unternommen hat, um Jürgen Klinsmann zu diskreditieren. Der der BILD-Zeitung traditionell verbundene Franke, dem seine Teamkollegen später nachsagen, er habe eine Standleitung aus der Bayern-Kabine zur BILD-Redaktion eingerichtet und den unter vorgehaltener Hand viele nur IM Lothar nennen, weil viele Interna bzw. Inderna, wie Matthäus selbst sagen würde, auf oft wundersame Art und Weise den Weg in das Boulevardblatt finden, schmiedet einen perfiden Plan. Er hat es Klinsmann nicht verziehen, dass der vor der EURO 1996 nonchalant und gemeinsam mit Thomas Helmer und dem Dortmunder Matthias Sammer zu Berti Vogts marschiert und den Bundestrainer bittet, Matthäus nicht für das Turnier in England zu nominieren. Nur so, argumentiert Klinsmann, sei eine erfolgreiche EM möglich. Vogts folgt dem Ratschlag des Trios, nominiert Matthäus nicht und löst damit unvermutet die nächste Eskalationsstufe in der Dauerfehde zwischen Klinsi und Loddar aus. Klinsmann ist feige, egoistisch und nur aufs Geld aus — ist nur ein Giftpfeil von Lothar in die Richtung des Schwaben, der wo in München spielt. 000 Mark gegen seinen Intimfeind. Er glaubt, dass es Klinsmann nicht gelinge, in der Saison 1996/97, die Bayern München als Deutscher Meister beenden wird, 15 Tore zu erzielen. Moralisch in der Abstiegszone ist dies auch fachlich eine schlechte Idee.
In seiner Premiersaison in München hat Klinsmann 1995/96 bereits 16-mal getroffen. Irgendwie kriegt Klinsmann spitz, was Lothar plant, klar, er hält ja auch öffentlich nie hinter dem Berg mit solchen Dingen. Klinsi geht in die Offensive. Für den FC Bayern und seine Fans zum Glück auf dem Platz! Die Zuschauer am altehrwürdigen Bökelbergstadion in Mönchengladbach wundern sich am 34. Spieltag. Beim 2:2 des neuen Deutschen Meisters FC Bayern in Gladbach drischt Jürgen Klinsmann den Ball in der 90. Minute mit einer derartigen Wucht ins Tor, als gelte es vor der Meisterparty noch schnell das Netz zu zerschießen. Was die Fans auf den Rängen und viele andere in Fußball-Deutschland nicht wissen: Es ist das Tor, mit dem Klinsmann in letzter Saisonminute dafür sorgt, dass Matthäus die Wette gegen Hoeneß verliert. Wenig später wissen dann wirklich alle Bescheid. Lothar Matthäus veröffentlicht seinen Kampf mit Klinsmann und andere Pikanterien unter Mein Tagebuch und gewinnt täglich neue Freunde. Ich registriere das mit Unverständnis, langsam kann ich nur noch darüber lachen, sagt etwa Nationaltorhüter Andreas Köpke, während Bayern-Keeper Oliver Kahn das Thema Matthäus nicht mehr hören kann: Wir sind Deutscher Meister, alles andere interessiert nicht. Auf einem solchen Niveau bewege ich mich nicht. Ich weiß, was los war. Ich brauche das Tagebuch nicht zu lesen — ich war dabei. 000 Mark. Damit hätte man in der Tat eine ganze Menge anfangen können. Klinsmann hat am Saisonende 1996/97 genug vom Niveau-Limbo und wechselt zu Sampdoria Genua. Nicht ohne dem Kontrahenten, mit dem er sich erst Jahre später versöhnt, noch einen mitzugeben: Mir tun die Bayern-Spieler leid, denn die haben die Probleme mit Lothar in Zukunft. Ich habe sie nicht mehr, ich bin weg — Gottseidank.