Die Bayern Prognose

Akte FC Bayern FCB

Der Aufstieg der Mittelmäßigen. Von der Lokalgröße zum Weltverein. Dossier, Match Intelligence und Prediction Markets — alles zum FC Bayern München.

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FC Bayern München
Foto: Imago Images
Teil 1
Die Akte
Triumphe, Tragödien, Erfolge und Peinlichkeiten — das komplette Club-Dossier in 12 Kapiteln.
PrologSteckbriefGood to KnowHaterLoverMIPsPNGTragischOMGFun FactsSpecialWeise Worte
Bald
Teil 2
Intelligence
KI-gestützte Match-Analyse, Teamdaten, Verletzungen und Head-to-Head-Statistiken.
KaderNächstes SpielStatistikenForm
Bald
Teil 3
Predictions
Prediction Markets, Portfolio-Management und Risiko-Analyse mit Kelly Criterion.
Directional AlphaArbitragePortfolioRisk Tools

Prolog

Was diese Seite ist — und warum

„AKTE FC BAYERN" richtet sich an Lover und Hater des Rekordmeisters. Geschichte wird Legende, Legende wird Mythos. Und aus Mythos wird Kult. Oder Grund zum „ewigen" Fremdschämen — je nach Ereignis mal so oder eher so.

Der Aufstieg der Mittelmäßigen. Von der Lokalgröße zum Weltverein. 32 Meisterschaften, 6 Champions-League-Titel, die erfolgreichste Vereinsgeschichte Deutschlands. Beckenbauer, Müller, Rummenigge, Hoeneß — der FC Bayern ist das Maß aller Dinge im deutschen Fußball. Geliebt von 291.000 Mitgliedern, gehasst vom Rest der Liga. „Mia san mia" ist mehr als ein Motto — es ist die DNA eines Vereins, der Dominanz zum Prinzip erhoben hat.

Aber diese Seite geht über das reine Feiern oder Hassen hinaus. Akte FC Bayern ist in drei Teilen aufgebaut: Das Club-Dossier erzählt die Geschichte — Triumphe, Tragödien, Skandale, Helden und Versager in 12 Kapiteln. Die Match Intelligence liefert die laufenden Daten, die ein Profi braucht: Kader, Statistiken, Head-to-Head, Verletzungen, Form. Und die Predictions bringen alles zusammen — mit Prediction Markets.

Prediction Markets sind kein Wetten. Bei klassischen Sportwetten verliert die Masse — das Geld geht an den Buchmacher, der seine Marge eingebaut hat. Bei Wettbörsen ist es ähnlich: Provisionen auf Gewinne, Liquiditätsengpässe und Spread fressen die Rendite. Prediction Markets funktionieren fundamental anders. Es gibt keinen Buchmacher, der das Haus gewinnen lässt. Stattdessen fließt Geld von denen, die nicht wissen, zu denen, die es richtig machen — mit Risiko-Management, Portfolio-Diversifikation und diszipliniertem Kapital-Einsatz. Man kann 24/7 handeln, Positionen aufbauen und abbauen, und wartet auf die binäre Auflösung des Events. Wer es versteht, betreibt keine Spekulation, sondern systematisches Trading.

Akte FC Bayern ist Teil von Akte Bundesliga — dem gleichen Konzept für alle 18 Bundesliga-Vereine. Jeder Verein bekommt sein eigenes Dossier, seine eigene Intelligence, seine eigenen Predictions. Das große Ganze findest du unter aktebundesliga.net.

Steckbrief

Daten, Fakten und Ereignisse

Steckbrief – Daten, Fakten und Ereignisse

Der FC Bayern München (FCB) wird am 27. Februar 1900 gegründet und ist mit 291.000 Mitgliedern (Stand: Juli 2019) der mitgliederstärkste Sportverein der Welt. Der Klub gehört nicht zu den Gründungsmitgliedern der Fußball-Bundesliga, spielt aber seit der Saison 1965/66 ununterbrochen und mittlerweile am längsten von allen Bundesligavereinen in der höchsten deutschen Spielklasse.

Das erste Spiel der Vereinsgeschichte findet auf dem städtischen Spielplatz an der Schyrenstraße statt. Der FCB schlägt den 1. Münchner FC mit 5:2. Von 1900 bis 1907 spielt der Verein in Schwabing an der Clemensstraße 50 und wechselt danach zur Leopoldstraße. Von 1925 an spielt der FCB 47 Jahre lang im Grünwalder Stadion – bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs als Untermieter von 1860 München. Das erste Spiel im neuen Olympiastadion von München findet am letzten Spieltag der Saison 1971/72 statt. Von 1995 an muss der FC Bayern das Stadion mit 1860 München teilen. Das Trainingsgelände des FC Bayern befindet sich in München-Giesing an der Säbener Straße.

Im Zuge der WM 2006 in Deutschland wird ein neues Stadion in Fröttmaning am nördlichen Ende der Stadt (Stadtbezirk 12 Schwabing-Freimann) gebaut. Sowohl der FC Bayern als auch 1860 München spielen in der neuen Arena, die nur für Fußballveranstaltungen genutzt werden darf. Die FC Bayern München AG und die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA sind zunächst zu je 50 % an der Stadiongesellschaft, der die Arena gehört und sie betreibt, beteiligt. Als die „Löwen“ in finanzielle Nöte geraten, verkaufen sie ihren Anteil an den FCB. Eine ausgehandelte Rückkaufoption wird kurze Zeit später ebenfalls an den FCB abgetreten. Mittlerweile spielt 1860 München wieder im altehrwürdigen Stadion an der Grünwalder Straße. Seit dem 25. Mai 2012 beherbergt die Allianz Arena die FC-Bayern-Erlebniswelt, eine multimediale Ausstellung auf mehr als 2.500 Quadratmetern mit mehr als 400 Ausstellungsstücken aus der Geschichte des Vereins.

Die Profiabteilung der FCB-Fußballer wird im Jahr 2001 in die FC Bayern München AG ausgegliedert. Aktionäre sind per Dezember 2019 mit 75,00 % der Fußball-Club Bayern München e.V. und mit jeweils 8,33 %: die Adidas AG, die Allianz SE und die Audi AG. Die AG ist in zwei Geschäftsbereichen aktiv: 1) dem Geschäftsbereich Fußball, der den Betrieb und die Vermarktung der Fußballmannschaften („Sportveranstaltung/Vermarktung/Sponsoring“) und der Marke des FC Bayern („Merchandising/Lizenzen“) umfasst und 2) dem Geschäftsfeld Allianz Arena, welches die drei hundertprozentigen Töchter Allianz Arena München Stadion GmbH, Allianz Arena Payment GmbH und Arena Stadion Beteiligungs GmbH & Co. KG beinhaltet.

FC Bayern München
Abb.1.2.1 „Auf Wiedersehen, Olympiastadion!“, heißt es im Frühjahr 2005. Foto: Imago Images/HochZwei Foto: Imago Images

Good to Know

Was wenige wissen

Der FC Bayern – Entstanden aus Frust, unter Mitwirkung von viel Alkohol, mit den Vereinsfarben Blau-Weiss und ohne richtige Bayern. Unsinn? Nope! Denn am 27. Februar 1900 findet im Gasthaus „Bäckerhöfl“ in München eine Sitzung der Fußballabteilung des MTV München statt. Bei dieser kommt es zu einem gewaltigen Streit über die weitere Entwicklung der Fußballabteilung des Vereins. Die Generalversammlung des MTV hat kurz zuvor den Beitritt des Vereins zum Verband der Süddeutschen Fußball-Vereine abgelehnt. Das kommt nicht gut an – jedenfalls nicht bei allen Sitzungsteilnehmern. Gegen 21:30 Uhr verlassen die MTV-Vereinsmitglieder Ringler, Otto Ludwig Naegele, Zoepffel, Josef Pollack, Fritz Wamsler, Karl Wamsler, Georg Schmid, Paul Francke, Kuno Friederich, Wilhelm Focke und Franz John wutentbrannt das Gasthaus. Und wechseln zur zweiten Halbzeit in das „Weinhaus Gisela“ in Schwabing. Mit viel Frust, Wut im Bauch und beseelt von Bier, Schnaps und Wein gründen sie noch am selben Abend den F.C. Bayern – mit genau elf Mann. Und ein Berliner wird erster „Cheffe“. Zu den auf der Gründungsurkunde erwähnten Mitgliedern des F.C. Bayern gehört der Bildhauer Benno Elkan, der damals noch unbekannt ist. Den Vorsitz führt ein Berliner mit Namen Franz John. John wird auch der erste Vorsitzende in der Geschichte des Vereins. Als Vereinsfarben einigt man sich auf Blau-Weiß, die Farbe Rot taucht zunächst nicht auf. Die Vereinsgründer kommen zu einem Großteil nicht aus München oder Bayern, sondern aus Berlin, Freiburg, Leipzig und Bremen. Also weniger Bayern München, sondern eher Borussia München.

Der FC Bayern ist der Krösus der Bundesliga. Das ist bekannt und stimmt auch. Was wenige wissen. Im internationalen Vergleich ist der FC Bayern nicht überragend finanzstark und wichtige Finanzkennzahlen verschlechtern sich beim Verein. Der FCB setzt vom 1. Juli 2018 bis zum 30. Juni 2019 750,4 Millionen Euro um, 93 Millionen Euro mehr als im Geschäftsjahr zuvor. Der Jahresüberschuss nach Steuern beläuft sich auf 52,5 Millionen Euro. Das sind 23 Millionen Euro oder 78 Prozent mehr als 2017/18 und 13,3 Millionen Euro mehr als beim bisherigen Rekordüberschuss 2016/17. Das Eigenkapital des Gesamtkonzerns steigt zum 30. Juni 2019 auf 497,4 Millionen Euro (Bilanz des Gesamtkonzerns, zu der auch die Allianz Arena Stadion GmbH gehört). Die Zahlen klingen exzellent, sie sind es aber nicht, zumindest nicht im Vergleich mit den internationalen Top- und Oligarchen-Klubs.

Beispiel Umsatz: Transferbereinigt lauten die drei jüngsten Jahreszahlen: 592 Mio. €, 588 Mio. € und 629 Mio. €. Der FC Bayern wächst nicht besonders dynamisch.

Beispiel Kosten: Die Spielergehälter legen schneller zu als der Umsatz. In der Saison 2017/18 betragen sie 302,5 Millionen Euro, 14 Prozent mehr als im Jahr davor. In einer 3-Jahres-Betrachtung steigt der transferbereinigte Umsatz um sieben Prozent, die Personalkosten wachsen mehr als doppelt so schnell. Inzwischen liegt die Personalkostenquote der Bayern bei 46 Prozent.

Stand: November 2019; * Nettogehalt - Coutinho ist damit Top-Verdiener beim FC Bayern ** Gehaltsteilung mit Inter MailandPlatzSpielerGehalt pro SaisonGeborenVertag bis1Robert Lewandowski€ 19.5 Mio21.08.8820232Manuel Neuer€ 15 Mio27.03.8620212Thomas Müller€ 15 Mio13.09.8920214Lucas Hernandez€ 13 Mio14.02.9620245Phillippe Coutinho*€ 13 Mio Netto12.06.922020 (Leihe)6Thiago Alcantara€ 12 Mio11.04.9120216David Alaba€ 12 Mio.24.06.9220216Jerome Boateng€ 12 Mio.03.09.8820219Ivan Perisic**€ 10 Mio.02.02.892020 (Leihe)10Leon Goretzka€ 8 Mio.06.02.1995202210Joshua Kimmich€ 8 Mio.08.02.95202310Kingsley Coman€ 8 Mio.13.06.96202313Corentin Tolisso€ 7.0 Mio.03.08.94202214Javi Martinez€ 6.0 Mio.02.09.88202115Niklas Süle€ 5.0 Mio.03.09.95202215Sven Ulreich€ 5.0 Mio.03.08.88202115Benjamin Pavard€ 5.0 Mio.28.03.96202415Jan-Fiete Arp€ 5.0 Mio.06.01.00202419Serge Gnabry***€ 4.5 Mio.14.07.952023Abb.1.2.2 Bayern München - Aktuelle Spielergehälter; November 2019. Quelle Vermögenmagazin.de3

FC Bayern München
Abb.1.2.4 Am 31.05.1967 gewinnt der FC Bayern zum ersten Mal einen Europacup, den Cup der Pokalsieger. Franz Roth (m.) schießt das einzige Tor des Spiels in der Verlängerung. Foto: Imago Images/WEREK

Man kann an einem Vergleich der Gehälter des aktuellen Kaders mit den ziemlich validen Schätzungen der Gehälter der ehemaligen Spieler die Gehaltsexplosion im deutschen und internationalen Fußball relativ genau ablesen. So verdient ein Fiete Arp das doppelte dessen, was Lothar Matthäus in der Saison 1999/00 beim FC Bayern verdient haben soll. Und er streicht ungefähr das gleiche ein wie Oliver Kahn in der Saison 2007/08.

NummerSpielerGehalt pro SaisonGeborenLetzte Spielzeit16Lothar Matthäus€ 2.5 Mio.21.03.611990/0015Stefan Effenberg€ 4.5 Mio.02.08.682001/0214Oliver Kahn€ 5.0 Mio.15.06.692007/0813Lukas Podolski€ 3.0 Mio.04.06.852008/0912Luca Toni€ 10 Mio.26.05.772009/1011Mark van Bommel€ 4.0 Mio.22.04.772010/1110Miroslav Klose€ 7 Mio.09.06.782010/119Toni Kroos€ 4.5 Mio.04.01.902013/148Bastian Schweinsteiger€ 10 Mio.01.08.842014/157Holger Badstuber€ 4 Mio.13.03.892015/166Mario Götze€ 12 Mio.03.06.922015/165Tom Starke€ 1.5 Mio.18.03.812016/174Xabi Alonso€ 5.4 Mio.25.11.812016/173Douglas Costa€ 7 Mio.14.09.902016/172Philipp Lahm€ 10 Mio.11.11.832016/171Arturo Vidal€ 10 Mio.22.05.872017/18Abb.1.2.3 Bayern München – Gehälter ehemaliger Spieler; Schätzung aus November 2019. Quelle Vermögenmagazin.de

Beispiel Gewinn und Bimbes: In der Saison 2017/18 bilanziert die FC Bayern AG einen operativen Gewinn (EBITDA) von 110 Millionen Euro, für die Saison 2018/19 knapp 115 Millionen Euro. Das ist weniger als in der Saison 2016/17 und ungefähr auf dem Niveau der Saison 2015/16. Das Eigenkapital der Bayern wächst zwar noch, zuletzt von 446 auf 451 und 497 Millionen Euro. Aber beim Umlaufvermögen, das in erster Linie aus Bankguthaben und Transferforderungen besteht, zeigt sich ein Rückgang. 211 Millionen Euro haben die Bayern Ende Juni 2019 auf der hohen Kante. Zwei Jahre zuvor sind es gut 220 Millionen Euro, Mitte 2016 sogar noch über 227 Millionen Euro. Im Bundesligavergleich sind die Bayern damit nach wie vor die unangefochtene Nummer Eins: Der größte Konkurrent Borussia Dortmund weist zum 30. Juni 2018 ein Umlaufvermögen von 120 Millionen Euro aus, davon 55 Millionen Euro als Bankguthaben. Doch den größten Vorsteuergewinn eines Fußballklubs erzielt im Finanzjahr 2017/18 der FC Liverpool mit 125 Millionen Britischen Pfund.

Fazit: Für einen Transfersommer oder -winter mit gezielten Verpflichtungen sind die Bayern gerüstet. Aber die wirtschaftliche Substanz, um auf Dauer auf Top-Level auf dem globalen Transfermarkt zu agieren, haben sie nicht mehr – maximal das Geld für genau eine Rundumerneuerung des Kaders. Denn vor zehn Jahren konnte man mit dem Festgeldkonto des FCB (ca. 200 Mio. €) noch eine ganze Mannschaft bestehend aus Weltklassespielern kaufen. Heute bekommt man für diese Summe gerade noch eine Weltklasseabwehr – ohne Torhüter und Ersatzbank.

Für die Hater

Peinliche Katastrophen und große Niederlagen

Die größten fußballerischen Peinlichkeiten des FCB bei internationalen Spielen sind zwei besonders schmerzhafte Niederlagen des FC Bayern in Europa. Als Mutter aller fußballerischen Peinlichkeiten des FC Bayern gilt die Niederlage im Finale der Champions League 1999 im Estadio Camp Nou des FC Barcelona gegen Manchester United, als das Team einen 1:0 Vorsprung in den letzten Minuten des Spiels nicht über die Zeit retten kann. Fast genauso peinlich ist den Bayern-Oberen die Niederlage im Finale der Champions-League in der heimischen Allianz-Arena im Jahr 2012 gegen Chelsea London, das trotz drückender Überlegenheit im Elfmeterschießen verloren wird. Das Vize-Tripple im Jahr 2012 gilt als Tiefpunkt, aber auch als Wendepunkt des FC Bayern. Weitere peinliche Katastrophen und große Niederlagen der Klubgeschichte sind (Stand: Dezember 2019):

Bayern vs. Barca in der UCL 2015 – Das Original frisst die Kopie: Im Halbfinale der Champions-League Saison 2014/15 trifft der FC Bayern auf den FC Barcelona. Pep Guardiolas neues Team gegen den Heimatverein des Spaniers. Die Kopie gegen das Original. Und das Original zeigt der Kopie, was Klasse ist. 3:0 gewinnen die Katalanen das Hinspiel und auch im Rückspiel dominiert das beste Team der Saison 2014/15 lange Zeit. Nach einer frühen Führung und dem 2:1 für Barca ist klar, dass die Bayern diesen Rückstand nicht mehr würden aufholen können. Der 3:2 Sieg der Münchner ist Kosmetik.

Ancelotti überlistet die Bayern – UCL 2014: Ein weiteres UCL-Desaster für den FC Bayern und Pep Guardiola ereignet sich in der Saison 2013/14. Der Titelverteidiger scheitert im Champions-League-Halbfinale an Real Madrid. Ohne ein einziges Tor und mit der höchsten Heimspiel-Niederlage (0:4) der Europapokal-Geschichte lässt sich eine konfuse Bayernelf von den Königlichen von Europas Fußball-Thron stoßen. Sechs Tage nach dem 0:1 in der spanischen Hauptstadt zerstören Sergio Ramos mit einem Kopfball-Doppelschlag in der 16. und 20. Minute sowie Cristiano Ronaldo (34./89.) vor 68.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena die Münchner Hoffnungen auf die erste Titelverteidigung in der Champions League. Die Bayern merken sich den Trainer, der ihnen das angetan hat: Carlo Ancelotti, er wird 2016 Nachfolger von Pep Guardiola.

Schema F unter LvG – UCL Finale 2010: : Das historische Triple hat der FC Bayern schon mehrfach in letzter Minute vergeigt. Unter anderem im Jahr 2010. Der deutsche Meister und Pokalsieger verliert in Madrid das Finale der Champions League gegen Inter Mailand mit 0:2 (0:1). Vor 74.954 Zuschauern besiegelt Diego Milito (35./70. Minute) mit seinen Toren die damals vierte Niederlage der Bayern in einem europäischen Landesmeister-Finale nach 1982, 1987 und 1999. Inter erobert erstmals seit 45 Jahren wieder die wertvollste Trophäe des europäischen Club-Fußballs und macht nach Meisterschaft und Pokalsieg den Dreifach-Triumph perfekt. Die Bayern sind feldüberlegen, doch spielen sie typischen LvG-Fußball. Schematisch, ausrechenbar und uninspiriert.

Felix Magath – Rache ist süß: Bundesliga 2009. Bittere Niederlagen gibt es nicht nur in Europa, sondern auch in der Bundesliga. Und Ex-Trainer, die sich „rächen“. Felix Magath ist ein Paradebeispiel. Aufgrund seiner Erfolge als Trainer beim VfB Stuttgart wird der FC Bayern auf Magath aufmerksam und verpflichtet „Quälix“ zur Saison 2004/05 als Trainer. Das Engagement beim Rekordmeister dauert vom 1. Juli 2004 bis zum 31. Januar 2007 - In dieser Zeit wird Magath mit den Bayern sowohl in der Saison 2004/05 als auch 2005/06 Deutscher Meister und gewinnt jeweils auch den DFB-Pokal. Zwei Doubles in Folge sind zuvor noch keinem Verein oder Trainer gelungen. Als die Bayern nach der WM 2006 und dem Abgang von Michael Ballack nicht an die Leistungen der Vorjahre anknüpfen können, wird Magath am 31. Januar 2007 nach einem 0:0 gegen den VfL Bochum entsorgt und durch seinen Vorgänger Ottmar Hitzfeld ersetzt. Am 15. Juni 2007, knapp zwei Monate vor dem Beginn der Saison 2007/08, wird Magath neuer Geschäftsführer und Trainer beim VfL Wolfsburg. Er verpflichtet weitgehend unbekannte Spieler wie den Brasilianer Grafite oder den Bosnier Edin Džeko. In der Saison 2007/08 schafft das Team den UEFA-Cup und 2008/09 gewinnt der VfL Wolfsburg die Deutsche Meisterschaft. Dabei „schreddern“ sie im Frühjahr 2009 den FC Bayern zu Hause mit 5:1. Rache ist süß.

FC Bayern München
Abb.1.2.6 Der Anfang vom Ende. Diego Milito mit dem 1:0 gegen den FC Bayern im Champions League Finale 2010. Inter Mailand schlägt den FC Bayern mit 2:0. Foto: Imago Images/AFLOSPORT

Richtig schlecht sind die Bayern im Jahr eins nach Beckenbauer, in der Saison 1977/78: Da setzt es auch die größte Negativserie des Vereins mit sieben Niederlagen nacheinander. Sie beginnt mit einem 0:2 in Mönchengladbach am 22.10., setzt sich fort mit den gleichen Ergebnissen im Heimspiel gegen Hertha BSC und im UEFA-Cup-Spiel bei Marek Stanke Dimitrov (nach 3:0 im Hinspiel ein „Erfolg“), einem 3:6-Desaster beim MSV Duisburg, einem 1:3 im Derby gegen die bis dahin sieglosen „Löwen“ und gleich zwei 0:4-Niederlagen binnen drei Tagen bei Eintracht Frankfurt, die letzte am 26.11. im UEFA-Pokal. Erst dann verliert Trainer Dettmar Cramer seinen Job, Bayern tauscht ihn gegen den Eintracht-Trainer Gyula Lorant ein, der prompt sein Debüt gewinnt (4:2 gegen 1. FC Kaiserslautern).

So schlimm wird es nie wieder. Aber im Oktober 1991 gibt es immerhin noch vier Niederlagen hintereinander: Am 5.10. heißt es 1:4 gegen die Stuttgarter Kickers (H), am 12.10. gibt’s ein 0:3 gegen Borussia Dortmund (H), am 19.10. ein 2:3 beim VfB Stuttgart und am 22.10. ein 2:6 bei B 1903 Kopenhagen (UEFA-Cup, 2. Runde, Hinspiel). Diesen Wert hat nur noch ein Coach egalisiert, dem man das gar nicht zugetraut hätte – Wunder-Mann Pep Guardiola. Denn der Rekordtrainer verliert im Frühjahr 2015 nach fast 24 Jahren ebenfalls vier Spiele nacheinander. Gegen Borussia Dortmund (Halbfinale DFB-Pokal/H/1:1, 0:3 i.E.), bei Bayer Leverkusen (Bundesliga/0:2), beim FC Barcelona (Halbfinal-Hinspiel Champions League/0:3) und gegen den FC Augsburg (Bundesliga/0:1). Vor allzu scharfer Kritik schützt ihn die schon längst gewonnene Meisterschaft.

2:6 im Europacup gegen das „Weltteam" aus Kopenhagen – 1991: Im Oktober 1991 kassiert der FCB die höchste Niederlage in einem europäischen Wettbewerb. Die setzt es ausgerechnet gegen den „Weltklub“ B 1903 Kopenhagen. Am 23. Oktober 1991 verlieren die Bayern in der 2. Runde des UEFA-Pokals in Kopenhagen mit 6:2 (Torschützen Kopenhagen: Manniche (2), Nielsen, Wegner, Kraus, Uldbjerg; München: Mazinho, Münch). Bei den Bayern ist wenige Tage zuvor Jupp Heynckes von Manager Uli Hoeneß entlassen worden, nach der Niederlage wachsen die Zweifel an Trainernovize Sören Lerby.

Es setzt noch sechs Niederlagen mit vier Toren Differenz, doch da sind die Gegner aber von anderem Kaliber: 1973 gibt es im Landesmeister-Cup ein 0:4 bei Ajax Amsterdam, ebenso wie 1977 im erwähnten UEFA-Cup-Spiel bei Eintracht Frankfurt, 2009 unter Jürgen Klinsmann in der Champions League beim FC Barcelona oder 2014 im Halbfinalheimspiel dieses Wettbewerbs gegen Real Madrid. Mehr als nur den Hauch einer Blamage hat dagegen das 0:4 im UEFA-Cup-Halbfinale bei Zenit St. Petersburg. Nur einmal heißt es 1:5: im UEFA-Cup-Halbfinale 1980 bei Angstgegner Eintracht Frankfurt, aber erst in der Verlängerung.

Für die Lover

Wichtige Triumphe und große Erfolge

Mit 29 Meistertiteln ist der FCB deutscher Rekordmeister, mit 19 Pokalsiegen deutscher Rekordpokalsieger. Der FC Bayern kann bis zum Ende der Saison 2018/19 sieben Europapokalsiege verzeichnen, fünf Siege gelingen in der Champions League bzw. dem Vorläufer, dem Europapokal der Landesmeister. Zweimal wird der Klub Weltpokalsieger und einmal gewinnt er die Klub-WM.

Die höchsten Siege:

Die höchsten Siege des FCB in der Bundesliga sind:

Höchster Auswärtssieg mit 8:1 beim FC St. Pauli: Gegen den bereits als Absteiger feststehenden Kiez-Klub lassen die Bayern am 7. Mai 2011 ihren Frust über die an Borussia Dortmund vergebene Meisterschaft aus. Zur Pause steht es erst 0:2, aber dann machen die Schützlinge von Interimscoach Andries Jonker Ernst. Die Torfolge: 0:1 Gomez (10.), 0:2 van Buyten (32.), 0:3 Gomez (52.), 0:4, 0:5 Robben (54., 74.), 1:5 Eger (78.), 1:6 Robben (84.), 1:7 Gomez (86.), 1:8 Ribéry (88.). Mit sieben Toren Differenz gewinnen sie auch am 7. Dezember 2013 zu Beginn der Ära Guardiola bei Werder Bremen. Schon zur Pause (0:3) ist alles klar gegen den Lieblingsgegner der Neuzeit. Die Torfolge: 0:1 Lukimya (21./Eigentor), 0:2 van Buyten (27.), 0:3 Ribéry (38.), 0:4 Mandzukic (60.), 0:5 Müller (68.), 0:6 Ribéry (82.), 0:7 Götze (90.).

Höchster Sieg 1971 mit 11:1 gegen den BVB - Am 16. Spieltag der Saison 1971/1972 schlägt der FC Bayern München Borussia Dortmund mit 11:1. Mannschaft (inkl. Kicker-Noten): Maier (2) – Koppenhöfer (3) , Hansen (3) , Beckenbauer (2) , Breitner (2) – Roth (2) , Zobel (3) , U. Hoeneß (2) – Krauthausen (2) , Müller (2) , Hoffmann (3) Trainer: Lattek. Die Torfolge ist spektakulär: 1:0 Müller (11.), 2:0 U. Hoeneß (20., Kopfball), 3:0 Hoffmann (39.), 4:0 Müller (45.), 5:0 U. Hoeneß (49.), 6:0 Beckenbauer (54.), 6:1 Weinkauff (57.), 7:1 Breitner (59.), 8:1 Roth (64.), 9:1 Müller (83.), 10:1 Roth (89.), 11:1 Müller (90.). Das Resultat ist wegweisend für beide Klubs. Während Bayern mit einem Bundesligarekord von 101 Toren Meister wird, steigt der BVB ab.

FC Bayern München
Abb.1.2.10 Am 28.11.1971 schlägt Bayern München Borussia Dortmund mit 11:1. Foto: Imago Images/WEREK

Glanz und Gloria

Die wichtigsten Triumphe und größten Erfolge des FC Bayern sind:

DFB-Pokalsieg 1966 als Aufsteiger: Vor der ersten Bundesligasaison der Bayern in der Saison 1965/66 schimpft Trainer Tschick Čajkovski, dass er keine fertigen Spieler habe und zufrieden wäre, wenn die Klasse gehalten werden würde. Was soll ich anfangen mit „kleines, dickes Müller,“ sinniert der Jugoslawe. Am ersten Spieltag der Bundesliga-Saison 1965/66 gibt es im Derby gegen den TSV 1860 eine 0:1 Niederlage. Das Spiel ist ein übles Geholze. 1860 München führt früh und das Spiel erlebt kurz vor dem Abpfiff noch einen Tiefpunkt. Eine Aktion, die den weiteren Lauf der Saison, gar der Fußballgeschichte beeinflussen soll. Beteiligt sind der rustikale Bayern-Vorstopper Danzberg und 1860-Stürmerikone Konietzka. Der Bayern-Verteidiger tritt den bereits am Boden liegenden Konietzka. Die Folge: Platzverweis und eine achtwöchige Sperre. Er verliert seine Position im Team und ein junger Nachwuchsspieler rückt vor, der ein ganz anderes Spielverständnis hat – „Le Kaiser“ Franz Beckenbauer. Der damals 19-Jährige ist die Entdeckung der Saison. Nach nur sechs Liga-Einsätzen wird er in die Nationalelf berufen. Am vierten Spieltag steht der FC Bayern zum ersten Mal an der Tabellenspitze der Bundesliga. Die erste Saison wird auf dem dritten Tabellenplatz beendet. Es ist das einzige Mal in der Geschichte der Bundesliga, dass beide Vereine aus München am Ende einer Saison unter den ersten Drei stehen. Hätte Bayern das Spiel gewonnen, wäre es auf Anhieb Meister geworden (bei gleichem Saisonverlauf), so wird es zum einzigen Mal 1860. Der FCB gewinnt nach 1957 (1:0 gegen Fortuna Düsseldorf) zum zweiten Mal, nun im Finale gegen den Meidericher SV, den DFB-Pokal. Nach dem mit 4:2 gewonnenen Spiel sagt Sepp Maier: „Hoaß war’s, gschwitzt hamma, und gwunna a no. Grad schee war’s!“

Europacup der Pokalsieger – Sieg gegen Glasgow am 31.05.1967 in Nürnberg: In der nächsten Saison, 1966/67, bleibt die Mannschaft nahezu unverändert. Franz „Bulle“ Roth kommt aus Kaufbeuren hinzu, Georg Schwarzenbeck aus der eigenen Jugend. Nach dem Auftritt im Messestädte-Pokal (Vorläufer des UEFA Cups) spielt der FC Bayern erstmals in einem von der UEFA veranstalteten internationalen Wettbewerb, dem Europapokal der Pokalsieger. Mit grandiosem Erfolg. Über Tatran Prešov, die Shamrock Rovers, Rapid Wien und Standard Lüttich erreicht der FC Bayern das Finale in Nürnberg. Exakt dort, wo die Bayern schon 35 Jahre zuvor den ersten wichtigen Titel für den Verein, die Deutsche Meisterschaft 1932, gewonnen haben. Gegner im Finale sind die Glasgow Rangers, die zuvor im Achtelfinale den Titelverteidiger Borussia Dortmund aus dem Wettbewerb geworfen haben. Vor 71.000 Zuschauern erzielt Franz „Bulle“ Roth in der Verlängerung (108. Minute) das 1:0 für die Münchner. Roth hat zwei Jahre zuvor noch in der C-Klasse beim TSV Bertoldshofen gespielt. Die Bundesliga-Saison schließt der FC Bayern auf Platz sechs ab. Der DFB-Pokal wird erfolgreich verteidigt, in Stuttgart sehen 68.000 Zuschauer den Pokaltriumph der Bayern. Mit 4:0, durch Tore von Müller (2), Ohlhauser und Brenninger (je 1), wird der Hamburger SV mit Uwe Seeler geschlagen.

Most Important Persons

Diese Typen prägen den Verein

Uli Hoeneß

Der Architekt:Als Uli Hoeneß am 1. Mai 1979 das Management des Vereins übernimmt, ist dieser ziemlich klamm und weit von der Spitzenstellung im deutschen Fußball entfernt, die er heute hat. Der Metzgersohn aus Ulm setzt in den folgenden 40 Jahren fort, was er als Spieler seit 1970 begonnen hat: Tite…

Franz Beckenbauer

Der Fußballkaiser:Die Lichtgestalt des deutschen Fußballs ist von Anfang an dabei, als der FC Bayern die Bundesliga erobert. Seine Position muss er noch finden, seine Rolle nicht. Ob als Linksaußen, als der er anfängt, als Mittelfeldantreiber, der er fünf Jahre ist, oder als Libero, als der er seine…

Wilhelm Neudecker

Der Präsident:Wilhelm Neudecker ist von 1962 bis 1979 Präsident des FC Bayern München. Er stirbt am 24.12.1993. Unter seiner Präsidentschaft entwickelt sich der Verein von der Nummer zwei in München zum Weltverein mit je vier Europapokalsiegen und deutschen Meistertiteln. Der millionenschwere Bauunt…

Jupp Heynckes

Der späte Triumphator:Jupp Heynckes gilt im Jahr 2009 eigentlich als nicht mehr vermittelbar – als Trainer in der Bundesliga. Zu schlecht sind seine letzten Ergebnisse bei Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach. Heynckes gilt als „yesterday man“, als Mann des Kohlenstoffzeitalters, der in die neue …

Arjen Robben

Der „fliegende“ Holländer:Als Arjen Robben im Jahr 2009 beim FC Bayern anheuert, hat er eigentlich keine Lust auf die Münchener. Bei Real Madrid hat er eine gute Saison (2008/09) gespielt, doch das reicht nicht. Zur Saison 2009/10 kommt bei Real Madrid mit Florentino Pérez ein neuer Präsident ins Am…

Sepp Maier

Torwart-Legende:Sepp Maier ist mit 699 Pflichtspielen weit vor Oliver Kahn Rekordspieler des FC Bayern München. Für den Verein spielt Maier 17 Jahre lang von 1962 – 1979. Maier ist eine der zentralen Figuren des Bayern-Teams in den 60-er und 70-er Jahren. Maier gewinnt mit dem FCB 1974, 1975 und 197…

FC Bayern München
Abb.1.2.17 Der junge Kaiser. Franz Beckenbauer am 01.08.1963. Foto: Imago Images/Kicker/Metelmann, Infografik by Ligalive, Infografik erstellt von Andjela Jankovic im Auftrag von Closelook Venture GmbH

Personae Non Gratae

Diese Typen sind unbeliebt

Christoph Daum

Der „Verschnupfte“:Christoph Daum hat Trainer-Ikone Jupp Heynckes in den 80-er Jahren in einer Weise „angemacht“, die Uli Hoeneß bis heute nicht verzeihen kann. Kostprobe: „Die Wetterkarte ist interessanter als ein Gespräch mit ihm.“ Oder: „Ich werde immer häufiger angerufen von Leuten, die wissen w…

Jens Lehmann

Der Rivale:Der Torwart nimmt Oliver Kahn vor der WM 2006 den Platz als deutsche Nummer 1 weg und wird von Bundestrainer Jürgen Klinsmann protegiert. Auch wegen einiger spezieller Aussagen über „King“ Kahn („Was soll ich mit ihm reden? Ich habe keine 17-jährige Freundin.“) wird er zum Buhmann der Bay…

Louis van Gaal

Der Tulpengeneral:Der Niederländer trainiert die Bayern von Juli 2009 bis April 2011 und gewinnt auf Anhieb das Double. Mit seiner spröden, empathielosen Art verprellt er Spieler wie Luca Toni, Miro Klose, den er beim ersten Training nach seinem Namen fragt, Mark van Bommel, Lucio und Franck Ribéry.…

Sebastian Kehl

Der Bayern-Verschmäher:Der Mann, der den Bayern-Scheck zurückgab. Der Transferstreit zwischen Borussia Dortmund und Bayern München um Nationalspieler Sebastian Kehl ist Anfang Januar 2002 vom Tisch. Dafür bedarf es eines Schlichtungsgespräch mit der Deutschen Fußball Liga (DFL) in München. Der 21-Jä…

Alan Sugar

Der Feind von der Insel:Der Inhaber von Tottenham gerät im Transfer-Tauziehen um Jürgen Klinsmann mit Uli Hoeneß und Jürgen Klinsmann aneinander. Nach dem Wechsel des Deutschen nach München hält Sugar vor laufenden Fernsehkameras ein von Klinsmann signiertes Trikot in die Höhe und sagt: ,,Damit würd…

Jürgen Klinsmann

Der Gierige mit dem Lächeln:Sowohl als Spieler als auch als Trainer versucht sich der „ewig lächelnde“ Schwabe beim FC Bayern, beide Episoden enden unerfreulich. Der Spieler (1995-97) geht zwar als Meister, aber zermürbt vom Gebaren beim „FC Hollywood“ und im Zorn. Sinnbildlich dafür ist sein Tritt …

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Abb.1.2.20 Paul Breitner ist mittlerweile unerwünscht auf der Ehrentribüne des FC Bayern. Foto: Imago Images/Horstmüller

Tragisch

Diese Personen hatten Pech

Kurt Landauer – Der Verfolgte:Kurt Landauer ist zwischen 1913 und 1951 vier Mal an der Spitze des FC Bayern und führt den Verein zur ersten Meisterschaft 1932. Als Jude wird er von den Nazis verfolgt. Am 22. März 1933, kurz nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten, legt Landauer sein Amt als Bayern-Präsident nieder. Im April 1933 verliert er wegen seines jüdischen Glaubens seinen Job und wird arbeitslos. 1935 erhält er eine Stelle in einem Wäschegeschäft in München. Ende 1937 verkauft er mit seinem Bruder Franz den Stammsitz der Familie in der Kaufingerstraße 28 an die Warenhauskette Woolworth und wird am 10.11.1938 für vier Wochen ins Konzentrationslager Dachau eingesperrt. Im Mai 1939 flüchtet er in die Schweiz, vier seiner Geschwister werden von den Nazis ermordet. Als die Mannschaft 1940 ein Spiel in Zürich bestreitet, entdeckt sie ihren Ex-Präsidenten auf der Tribüne und begrüßt ihn herzlich, trotz ausdrücklichem Kontaktverbot durch die Gestapo. Im Juni 1947 kehrt Landauer nach München zurück und wird im August wieder Präsident des FC Bayern München, ehe er 1951 überraschend durch ein Komplott abgewählt wird und sich verbittert zurückzieht. Er stirbt 1961. Die „Schickeria” richtet jährlich ein Kurt-Landauer-Turnier aus und gründet eine nach ihm benannte Stiftung, die sich aktiv gegen Rassismus und Ausgrenzung wendet.

Gerd Müller - Der Suff und Alzheimer:Gerd Müller ist an Alzheimer erkrankt und lebt seit 2015 in einem Pflegeheim. Der Bomber der Nation – oder kleines dickes Müller, wie sein erster Trainer im Profibereich, Tschick Cajkovski, ihn in den 60-er Jahren nennt. Jener Mann, ohne dessen Wirken „wir uns immer noch im Holzhäusl umziehen würden“, wie Franz Beckenbauer gern mal betont. Der Mann, der den Sinn des Fußballs wie kein Zweiter beherzigt: das Runde muss ins Eckige. Gerd Müller, das Phänomen im Strafraum, ist rein physisch nicht der imposanteste Stürmer gewesen – auch nicht zu seinen Glanzzeiten. Nicht der Größte, nicht der Schnellste, auch kein Dribbler – aber für eine ganze Dekade der beste Mittelstürmer der Welt. Er schießt 398 Tore in 453 Ligaspielen, davon 365 in der Bundesliga (ewiger Rekord) und 68 Länderspieltore für Deutschland in 62 Spielen (Schnitt: 1,06) – Rekord bis 2014, als Miroslav Klose mit 71 Toren vorbeizieht, aber bei weit mehr Einsätzen. Als er zurücktritt, ist er WM-Torschützenkönig mit 14 Toren. Was ihn besonders auszeichnet, ist seine Fähigkeit, sich auf engstem Raum zu bewegen, Gegner stehen zu lassen und aus den unmöglichsten Situationen heraus und mit allen Körperteilen Tore zu erzielen. Das kann keiner auf der Welt so gut wie er und das hat er immer gewusst: „Des hast oder hast net. Des kannst net lernen“, lautet das Credo des bayerischen Schwaben, 1945 in Nördlingen geboren. Bis heute ist er Vorbild für eine ganze Gruppe von Mittelstürmern, die sich weniger durch Größe oder physische Präsenz als durch Wendigkeit, Reaktionsvermögen und Antizipation auszeichnen.

So gut sich Gerd Müller auf dem Platz zu Recht findet, so schlecht findet er sich nach der Karriere im richtigen Leben zurecht. Auch ihn verschlägt es Ende der 70-er Jahre in die USA. Aber nicht nach New York wie Kaiser Franz, sein langjähriger Doppelpasspartner, sondern nach Florida. Und dort beginnt die fatale Episode mit dem Alkohol, dem er schon zu Münchner Zeiten zugesprochen hat. Das Tragische an Müllers Vita ist, dass der „Bomber der Nation“ nach seinem letzten Spiel im Jahr 1979 für die Orlando Smith Brothers in Fort Lauderdale keinen richtigen Platz mehr im Leben findet.

Jedenfalls keinen, der ihn ausfüllt. Mit seiner Frau Uschi führt er ein Steakhouse, gibt dort den Grüß-Onkel und stößt mit jedem an, der mal mit dem berühmten Bomber anstoßen möchte. Das wollen viele. So wächst die Sucht. Nach sechs Jahren in den USA kehrt er 1985 in das Land zurück, das er 1974 zum Weltmeistertitel geschossen hat und zurück in die Stadt seiner größten Erfolge, aber selbst in München steht er vor dem persönlichen Nichts.

Im September 1991 werden Müllers Probleme öffentlich. Weil er angetrunken als Kiebitz beim Bayern-Training angetroffen wird, weil die Ehefrau sich scheiden lassen will und weil auch noch die Steuerfahnder ihre Pflicht tun und zwei Eigentumswohnungen pfänden. Müller hat nicht das Zeug zum autoritären Trainer, cleveren Manager oder eloquenten TV-Experten, das wissen alle, die den gelernten Weber kennen. „Du bist kein Mann der großen Worte. Du hast die Tore geschossen, ohne viel zu reden“, so charakterisiert ihn 2003 Franz Beckenbauer in seiner Laudatio, als Gerd Müller zum wertvollsten Bundesliga-Spieler aller Zeiten gekürt wird. Der Held einer Generation nur noch eine Witzfigur – das können die Bayern nicht mit ansehen. Und reichen ihm die Hand. Es ist bitter nötig, er ist ganz unten. „Schlimmer hätte es gar nicht kommen können. Du bist oben, schwebst im Himmel. Und fällst und fällst. Plötzlich bist du in der Hölle“, sagt er in einem Interview. „Ich habe sehr gelitten, und ohne die Hilfe meiner Freunde hätte ich es wohl nicht geschafft.“ Seine Freunde: allen voran „der Uli, der Franz und der Kalle“, wie er die Kameraden von einst nennt. Hoeneß, Beckenbauer, Rummenigge – alle haben sie mit ihm gespielt und gefeiert. Nun geben sie zurück. „Nur nichts tun. Den ganzen Tag einfach nur rumsitzen und nichts Sinnvolles machen – das war das Verderben“, räsoniert er selbst über seine Flucht in den Alkohol.

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Abb.1.2.21 Harmonie im Hause Müller am 20.09.1965. Gerd Müller mit Ehefrau Uschi Müller. Foto: imago Images/Rolf Hayo

Bei Prominentenspielen, erzürnt sich Uli Hoeneß, hätten sie ihn abgefüllt und sich dann über ihn lustig gemacht. Also überreden sie ihn, eine Entziehungskur zu machen, auch psychiatrische Hilfe nimmt er in Anspruch. Und seine Frau lässt die Scheidung sein. Der am schlechtesten vergütete Vertrag, den ihm der FC Bayern je gegeben hat, trägt ein Übriges zur Rettung von Müller bei. Seit 1992 ist er wieder angestellt bei den „Roten“. Ich bin vollkommen glücklich, und ich bin beschäftigt“, sagt er 1993, als er die A-Jugend trainieren darf. Er arbeitet fortan auch als Sponsorenbetreuer, Talentsucher, Stürmer- und Torwarttrainer, Co-Trainer bei den Profis und zuletzt bei den Amateuren. Doch dann schlägt die Alzheimer-Erkrankung zu. Der letzte Abschnitt im Leben des Bombers der Nation.

Die Mitflieger von Uli Hoeneß:Die richtigste und wichtigste Entscheidung trifft Uli Hoeneß am 17. Februar 1982. Sie rettet sein Leben. Denn Uli Hoeneß und sein Freund, der Verleger Helmut Simmler, wollen sich an diesem Tag das Länderspiel Deutschland gegen Portugal im Niedersachsenstadion von Hannover ansehen. Die Privatmaschine mit Hoeneß an Bord startet um 18.19 Uhr in München. Kurz vor Nürnberg schläft Hoeneß ein, er hat sich den Platz hinten rechts gewählt. Der einzige Platz mit Überlebenschance. Um 19.45 Uhr meldet der Pilot technische Probleme. Gegen 20.05 Uhr verschwindet das Privatflugzeug vom Radarschirm der Flugsicherung. Pilot, Co-Pilot und Hoeneß-Freund Semmler sterben beim Absturz. Hoeneß wird aus der Maschine geschleudert und ca. 90 Minuten nach dem Absturz von einem Jäger gefunden. Beim Versuch, ihn ins Krankenhaus zu fahren, springt der Geländewagen nicht an. Der Jäger deckt Hoeneß mit einer Decke zu und sucht Hilfe. Nach einiger Zeit kommen ihm Rettungskräfte entgegen. Uli Hoeneß wird ins Krankenhaus gebracht und überlebt. Pilot Wolfgang Junginger, sein 25-jähriger Co-Pilot Thomas Kupfer und Helmut Simmler sterben.

Norbert Eder – Der Unterschätzte:Norbert Eder spielt von 1984 bis 1988 für den FC Bayern München. Er absolviert 132 Ligaspiele für die Münchner und gewinnt vier nationale Titel (dreimal Meister, einmal Pokalsieger). Darüber hinaus kommt er zu 28 Europapokal-Spielen. Eder gehört dem Mannschaftsrat des FC Bayern an und ist 1985 und 1986 der Spieler mit den meisten Einsätzen für den FC Bayern. 1986 wird er Vizeweltmeister mit der deutschen Nationalelf. Eder stirbt im November 2019 nach langer Krankheit mit knapp 64 Jahren.

Breno – Der Einsame:Breno gilt im Jahr 2007 als bester brasilianischer Nachwuchsverteidiger. Er spielt von 2008 – 2012 beim FC Bayern München. Sein erstes Pflichtspiel bestreitet er mit 18 Jahren am 12. März 2008 im Achtelfinal-Rückspiel des UEFA-Pokals bei der 1:2-Niederlage im Heimspiel gegen den RSC Anderlecht. Seinen Einstand in der Bundesliga gibt Breno am 4. Mai 2008 (31. Spieltag), als er beim torlosen Unentschieden im Auswärtsspiel gegen den VfL Wolfsburg in der 73. Minute für Daniel van Buyten eingewechselt wird. Bis zum Jahresende 2009 bestreitet Breno nur sieben Bundesliga-, fünf Champions-League-Spiele und ein DFB-Pokal-Spiel. Um mehr Spielpraxis zu sammeln, wechselt er von Januar 2010 bis zum Ende der Saison zum 1. FC Nürnberg. Am 7. März 2010 (25. Spieltag) erleidet er beim 3:2-Sieg im Heimspiel gegen Bayer 04 Leverkusen nach einem Foul von Stefan Reinartz einen Kreuzbandriss. Zur Saison 2010/11 kehrt Breno zum FC Bayern zurück, spielt aber wieder nur die zweite Geige und wirkt zunehmend deprimierter. In der Nacht zum 20. September 2011 brennt Brenos gemietete Villa in Grünwald komplett aus. Der Spieler ist allein zu Hause und wird leicht verletzt. Wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung wird er am 24. September 2011 in Untersuchungshaft genommen und in die JVA München verbracht. Am 11. April 2012 erhebt die Staatsanwaltschaft München I Anklage wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung. Am 4. Juli 2012 wird Breno zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Die Haftstrafe wird nach zwei Drittel der Zeit am 20. Dezember 2014 zur Bewährung ausgesetzt. An die Fortsetzung seiner Bundesligakarriere ist nicht zu denken, er kehrt nach Brasilien zurück. Und schafft ein veritables Comeback.

OMG — Oh My God

Das kann doch nicht wahr sein

Peinlichkeiten? Das gibt es bei anderen Klubs in der Bundesliga, aber doch nicht beim Vorzeigeverein FCB. Mumpitz!

Ein Vorbild an aktiver Resozialisierung. „Der FC Bayern ist ein Verbrecherklub“: Das sagen die Bayern-Hater. Aber es stimmt – wenn auch auf eine ganz andere Art. Denn der FC Bayern wird/wurde maßgeblich von vorbestraftem Personal geführt. Ein Vorbild an aktiver Resozialisierung also. „Cheffe“ Karl-Heinz Rummenigge akzeptiert im Jahr 2013 einen Strafbefehl wegen Zollvergehens und bezahlt eine Strafe von 250.000 Euro. Er hat zwei Luxusuhren aus Katar nicht verzollt. Ein Richter am Amtsgericht in Landshut verurteilt ihn zu 140 Tagessätzen. Laut FOCUS geht das Gericht davon aus, dass Rummenigge täglich 1.785 Euro zur freien Verfügung hat. Ex-Präsident Uli Hoeneß sitzt wegen Steuerhinterziehung 21 Monate im Gefängnis. Aber auch der Aufsichtsrat, mit dem der FC Bayern München in die Saison 2018/19 geht, ist nicht ganz „sauber“. Dieser besteht aus den folgenden neun Mitgliedern: Uli Hoeneß, Herbert Hainer, Prof. Rupert Stadler, Dr. Werner Zedelius, Timotheus Höttges, Prof. Dr. Dieter Mayer, Dr. Edmund Stoiber, Dr. Theodor Weimer und Prof. Dr. Martin Winterkorn. 33 % von ihnen hatten oder haben zu diesem Zeitpunkt Probleme mit dem Gesetz.

Sofern jemand zu mehr als 90 Tagessätzen oder mehr als drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt wurde, gilt er nach dem deutschen Recht als vorbestraft. Das trifft auf Uli Hoeneß zu, den damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden der FC Bayern München AG. Der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende zum Start der Saison 2018/19, Prof. Rupert Stadler, ist im Sommer 2018 in Untersuchungshaft wegen Verdunklungsgefahr und gegen das Aufsichtsratsmitglied Prof. Dr. Martin Winterkorn liegt im Rahmen der VW Dieselgate ein Haftbefehl aus den USA vor.

Angst vor Max Merkel – Das Ende von Gerd Müller und Wilhelm Neudecker: Im Jahr 1979 gibt es Dauerärger zwischen Trainer Pal Csernai und Superstar Gerd Müller. Start der Fehde soll eine Auswechselung Müllers im Spiel gegen Eintracht Frankfurt gewesen sein. Gerd Müller flüchtet in die USA. Csernai hat den Job überhaupt nur bekommen, weil sein ehemaliger Chef, Gyula Lorant, entlassen worden ist. Bayern-Präsident Neudecker will den ehemaligen 1860-Trainer Max Merkel verpflichten. Der gilt als Schleifer und davor haben die eher verwöhnten Bayern-Stars Muffe. Sie lehnen den Trainer Merkel ab und Neudecker tritt zurück. Stattdessen wird Pal Csernai, Cheftrainer. Die Ära Neudecker ist vorbei, die erste Spielerrevolte der Bundesliga ist erfolgreich, denn mit Pal Csernai wird Bayern zwei Mal Meister.

Das Heynckes Versprechen, Trainerflops und Mittelmäßigkeit: Anfang der 90-er Jahre durchlebt der Rekordmeister turbulente Zeiten. Zahlreiche Trainer, darunter Erich Ribbeck und Sören Lerby, versuchen sich wenig erfolgreich daran, das Team zu revitalisieren. Die Zeit nach der Entlassung von Jupp Heynckes im Oktober 1991 ist eine Zeit des Misserfolges. Die Bayern sind taktisch und vom Spielerpersonal her nicht mehr auf der Höhe des Geschehens – sowohl in Europa als auch in Deutschland. Es hagelt Niederlagen und das frühzeitige Ausscheiden aus den europäischen Wettbewerben gegen maximal mittelmäßige Gegner wird nicht die Ausnahme, sondern zeitweise normal. Für eine kurze Zeit scheint es, als ob der FC Bayern ein durchschnittlicher Bundesliga-Verein werden würde. Und besonders viel Geld haben die Münchener damals auch nicht auf dem Festgeldkonto. Die schlechteste Saison in dieser Phase ist die Spielzeit 1991/92. Am 8. Oktober 1991 muss Heynckes nach einem schwachen Saisonstart seinen Platz auf der Bank räumen. Sein 1990 auf dem Münchner Rathausbalkon gemachtes Versprechen, er werde mit den Bayern den Europapokal gewinnen, und seine damals etwas zu verbissene Art brechen ihm das Genick. Schon in der Vorsaison hat es „nur” zum Vizemeistertitel gereicht. Außerdem hat man sich im DFB-Pokal bei den Amateuren des FV Weinheim bis auf die Knochen blamiert und ist im Europapokal an Roter Stern Belgrad gescheitert. Die neue Spielzeit wird für den FC Bayern zum Super-GAU. Nach dem erneuten Pokal-Aus im eigenen Stadion gegen Zweitligist FC Homburg und einer 1:4-Heimpleite am 12. Spieltag gegen die Stuttgarter Kickers will Manager Uli Hoeneß nicht mehr an seinem Freund Heynckes festhalten. Kapitän Klaus Augenthaler hat vor der Saison seine Karriere beendet, die Leistungsträger Jürgen Kohler und Stefan Reuter sind nach Italien abgewandert. Torwart Raimond Aumann und sein Stellvertreter Sven Scheuer fallen verletzungsbedingt lange aus. Mit 36:40 Punkten schließen die Bayern die Saison mit einem miserablen Punkteschnitt auf Platz 10 ab. Bis heute hält Hoeneß die Heynckes-Entlassung für den größten Fehler seiner Manager-Laufbahn.

FC Bayern München
Abb.1.2.23 Angst vor Max Merkel – Die Bayern-Spieler wollen „Peitschen-Max“, den Ex-Trainer von 1860, nicht. Foto: Imago Images / Fred Joch

Wie entlasse ich den Sir – peinlich und rührend: Beim Wettbewerb um den schlechtesten Bayern-Trainer der letzten 30 Jahre fallen immer drei Namen: Jürgen Klinsmann, Sören Lerby und Erich Ribbeck. Wie die Bayern Ribbeck absägen – peinlich und rührend zugleich. Sir Erich folgt im März 1992 auf den Fehlgriff Sören Lerby. Kurz vor ihm werden Franz Beckenbauer und Karl-Heinz Rummenigge als Krisenhelfer in den Verein geholt und zu Vize-Präsidenten gewählt. Erich Ribbeck spielt mit einer neu formierten Mannschaft zwar 1992/93 wieder um den Titel mit – zu mehr als dem Vizemeistertitel hinter Otto Rehhagels Werder Bremen reicht es nicht. In Erinnerung bleibt die „Sargnagel-Aussage“ Ribbecks, nicht unbedingt Deutscher Meister werden zu müssen. Als auch im zweiten Jahr seiner Amtszeit das Team nicht richtig in die Gänge kommt und in der Hinrunde schon aus DFB-Pokal und UEFA-Cup ausscheidet, treffen sich in der Winterpause die Bayern-Granden, um zu besprechen, wie man den „Sir“ stilvoll „entsorgen“ könnte. Ribbeck ist allerdings direkt nach Ende der Hinrunde in den Urlaub nach Gran Canaria geflogen. Keine gute Idee. Bei der folgenden Präsidiumssitzung setzt Grummeln ob der Trainersituation ein. Aber es gibt keine Alternative. Uli Hoeneß schlägt plötzlich Vize-Präsident Beckenbauer vor, dieser schlägt schweren Herzens ein. Der Kaiser will seinen Freund Ribbeck aber nur beerben, wenn der selbst zurücktritt. Der Legende nach fliegen kurz vor Weihnachten daraufhin zwei Vorstandsmitglieder im Privatjet nach Gran Canaria. Sir Erich bewirtet die beiden Überraschungsgäste nichtsahnend so freundlich, dass sie es nicht übers Herz bringen, ihm die Wahrheit zu sagen. Back to Munich ohne Mitteilung der Entlassung. 25.000 Mark Flugkosten sind futsch! Ob die Geschichte stimmt, ist nicht bewiesen. Belegt ist, dass Franz Beckenbauer Erich Ribbeck ablöst und zum zweiten Mal einspringt. Er holt genauso viele Punkte in der Rückrunde wie Erich Ribbeck in der Hinrunde. Aber mit der „Lichtgestalt“ als Teamchef fängt die Mannschaft Herbstmeister Eintracht Frankfurt mit dem Bayern-Provokateur Klaus Toppmöller („Bye-bye Bayern“) noch ein und wird einen Punkt vor dem 1. FC Kaiserslautern Meister. Nobel: Ribbeck bekommt die volle Meisterprämie (250.000 DM) und sein Gehalt bis 30. Juni (500.000 DM). So verabschiedet man einen Freund…

Hoeneß über die eigenen Fans – megapeinlich: Auch die Offiziellen der Bayern sind nicht ganz frei von stillosen Fehltritten. Auf der Hauptversammlung des Jahres 2007 rastet Uli Hoeneß plötzlich aus und beschimpft die eigenen Fans. Unter anderem wirft er ihnen vor, selbst für die häufig schlechte Stimmung im Stadion verantwortlich zu sein. Dazu rechnet er aus, dass nur die hohen VIP-Logen- Entgelte die billigen Eintrittspreise im Stadion möglich machen würden. Ton und Stil – peinlich. Fakten – so ganz falsch nicht.

Der Kaiser, die Bayern, die WM und die Deals mit den Scheichs: Amigo-Deals sind in Bayern nicht selten und auch dem FC Bayern nicht fremd. Im Skandal um die Vergabe der WM 2006 könnte deshalb auch der FC Bayern noch in Bedrängnis geraten. Hierbei geht es insbesondere um verdächtige Zahlungen und bizarre Freundschaftsspiele – in Malta, Thailand und Tunesien. Zwar bestreitet Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, dass der Verein im Jahr 2000 (als die WM vergeben wurde) ausgerechnet in den Ländern zu Freundschaftsspielen antritt, aus denen Mitglieder des Vorstandes beim Internationalen Fußball-Verbandes kommen, die am Ende genau über die Zuteilung des Turniers entscheiden. Und das zu Preisen, die marktunüblich sind. Maltesische Ermittler interessiert ein ganz spezieller Vertrag, der kurz vor der WM-Vergabe im Privathaus des damaligen Verbandspräsidenten Maltas, Joe Mifsud, unterschrieben wird. Der lukrative TV-Kontrakt mit der Schweizer TV-Rechte-Agentur CWL bringt dem Verband ordentlich Geld4. Es geht um die Fernsehrechte für das Freundschaftsspiel zwischen Malta und den Bayern 2001. Angeblich fließen 250.000 Dollar in die Kassen des Fußballverbandes von Malta. Hintergründe sind bisher unbekannt, der Vorwurf ist nicht bewiesen.

Und noch ein fauler Deal – diesmal mit Leo Kirch: Und der ist bewiesen. Offensichtlich sind die Bayern durchaus früher mal käuflich gewesen. Nach Recherchen des manager magazin schließen am 9. Dezember 1999 Bayern-Manager Uli Hoeneß, das Bayern-Vorstandsmitglied Karl Hopfner sowie Ex-Präsident Fritz Scherer mit den damaligen Kirch-Managern Dieter Hahn und Stefan Ziffzer einen Geheimvertrag. In dem 18-seitigen Dokument vereinbaren beide Parteien eine „exklusive Zusammenarbeit”. Danach verpflichtet sich die Kirch-Gruppe, den Bayern bis einschließlich der „Saison 2004/05“ die Differenz zwischen den Erlösen aus der zentralen Vermarktung durch den DFB und den möglichen Erlösen des FC Bayern bei einer individuellen Vermarktung der TV-Rechte zu ersetzen – eine in der Liga-Geschichte einmalige Wettbewerbsverzerrung. Mit dieser Zahlung soll sich Kirch die Zustimmung des FC Bayern für eine weitere zentrale Vermarktung der Bundesliga-Rechte erkauft haben. Bayern-Manager Hoeneß macht sich anschließend im Liga-Ausschuss zudem für die Rechtevergabe an die Kirch-Gruppe stark. Kirch sichert dem Bundesligisten in dem Geheimvertrag zu, in den ersten drei Jahren jeweils einen Ausgleich von bis zu 30 Millionen Mark zu zahlen. Von der Saison 2003/04 an wären gar bis zu 50 Millionen Mark pro Saison fällig gewesen. Tatsächlich überweist Kirch für die Spielzeiten 2000/01, 2001/02 rund 40 Millionen Mark an die Bayern, bis es zur Insolvenz der Kirch-Gruppe kommt. Noch im Sommer 1999 hat die Bayern-Vereinsführung auf eine Eigenvermarktung der TV-Rechte durch die Bundesligavereine bestanden, weil sie auf diese Weise höhere Honorare als bei einer zentralen Vermarktung durch den DFB zu erhalten hoffte5.

Fun Facts

Wissen für Blowhards, Braggadocios und Connaisseurs

Der FC Bayern München ist deutscher Rekordmeister. Das ist ein „No Brainer“. Doch hier kommen Fun Facts der besonderen Art.

Warum eigentlich Mia san Mia: Auf Hoch-Deutsch heißt Mia san Mia so ähnlich wie „Wir sind wir", übertragen „Uns kann keiner was". Der Spruch ist keine Erfindung des FCB, sondern ein Spruch aus Österreich. Historiker haben nachgewiesenen, dass er schon von Soldaten der K.u.K.-Monarchie im 19. Jahrhundert gebraucht wird. Von Österreich kommt er nach Bayern und irgendwann ganz spät zum FCB. Genaues ist nicht überliefert. Aber als der FCB im Jahr 1987 Rekordmeister wird, hört man den Spruch von den Ur-Bayern Hans Pflügler, Hansi Dorfner und Ludwig Kögl nach Erfolgen in Liedform. „Mia san mia, mia san mia, mir san stärker wie die Stier…" – urban legend has it, dass die drei Bayern-Granden dabei gerne auf den Tischen tanzen.

Erster Bundesligasieg: Am 2. Spieltag der Saison 1965/66 erzielen die Bayern ihren ersten Sieg in der Bundesliga im Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt. 2:0 heißt es am Ende und Rainer Ohlhauser (24.) und Werner Nafziger (87.) erzielen die ersten Bundesligatore des Vereins. Team (Inkl. der Kicker-Noten von damals): Maier (1) – Kupferschmidt (3) , Olk (1) – Drescher (2) , Beckenbauer (2) , Borutta (3) – Müller (3) , Koulmann (2) – Nafziger (3) , Ohlhauser (3) , Brenninger (3) Trainer: Cajkovski

Prügeleien zwischen Spielern sind bei den Bayern gar nicht so selten: In der Saison 1999/00 geraten Bixente Lizarazu und Lothar Matthäus aneinander und der Franzose verpasst dem Franken eine Ohrfeige. Doch das ist im Training und eher harmlos. Dort muss man in den Neunzigern schon Christian Ziege und Brasilien-Flop Bernardo trennen. In den Achtzigern klebt Jean-Marie Pfaff seinem Torhüter-Rivalen Raimond Aumann während einer Liegestützübung eine. Deftiger wird es in der Neuzeit in der Champions League: Im Hinspiel des Halbfinales gegen Real Madrid verpasst Franck Ribéry im April 2012 Arjen Robben in der Kabine ein Veilchen. Auslöser ist ein Zoff Minuten zuvor auf dem Platz: Der Franzose will unbedingt einen Freistoß treten, Robben setzt sich vehement für Toni Kroos ein. Zack… Der Franzose muss 50.000 Euro Strafe zahlen.

Die Saison 2013/14: In der Saison 2013/14 steht der FCB mit Coach Pep Guardiola schon nach dem 27. Spieltag als Meister fest – die bisher früheste Meisterschaft in der Geschichte der Bundesliga. In jener Saison stellen die Bayern auch den Bundesligarekord von 53 Spielen ohne Niederlage auf. Begonnen wird die Serie schon im November 2012 unter Jupp Heynckes. Sie reißt erst im April 2014 nach gewonnener Meisterschaft durch ein 0:1 in Augsburg. Im Kalenderjahr 2013 verlieren die Bayern kein Spiel, das gibt es bis heute in der Bundesligageschichte kein zweites Mal.

FC Bayern München
Abb.1.2.29 Arjen Robben und Franck Ribéry im August 2018 im Training beim FC Bayern. Foto: Imago Images/MIS

Nummer Zwei: Die Münchner sind jahrzehntelang nur die Nummer zwei in der bayerischen Hauptstadt – hinter dem Lokalrivalen 1860 München. Die „Löwen“ sind Gründungsmitglied der Bundesliga und werden in der ersten Saison des FCB (1965/66) erster Bundesligameister der Stadt.

König Otto in Bayern: In die Kategorie Missverständnis fällt Otto Rehhagel. Kein Trainer hat bis Dezember 2019 in der Bundesliga-Geschichte häufiger auf der Bank gesessen als Otto Rehhagel (820 Spiele). Rehhagel kommt 1995 von Werder Bremen, wo er 14 Jahre lang nahezu allein geherrscht hat. Am 28. April 1996 wird Otto Rehhagel drei Tage vor dem Final-Hinspiel im UEFA-Pokal gegen Girondins Bordeaux entlassen. Er äußert sich später in der „Sport-Bild” mit den Worten: „Bei meiner Entlassung soll Klinsmann der entscheidende Mann gewesen sein und gesagt haben: „Rehhagel muss weg.”

Die Bayern und die Klinsmann-Buddhas: Jürgen Klinsmann sorgt mit einer ungewöhnlichen Dekoration des Bayern-Hauptquartiers schon vor Beginn seiner ersten Bundesligasaison als Trainer für die Bayern für Gesprächsstoff. Und zwar mit leblosen Figuren in Gold, liegend und sehr erhaben. Oder etwas andächtiger in Weiss und im Schneidersitz. Sie stehen auf der Dachterrasse sowie in der kuscheligen Lounge des neuen Leistungszentrums des FC Bayern und sollen für einen positiven „Energiefluss“ sorgen. Doch die Buddhas haben weniger einen positiven Einfluss auf den Energiefluss der Bayern-Spieler, denn negative Auswirkungen auf das Image des Vereins. Schmähungen, Lästereien und bissige Kommentare sind das einzige, was sie auslösen. Und auch die katholische Kirche ist nicht glücklich über die Bayern-Buddhas, gibt sich aber diplomatisch.“ Jeder Trainer hat so seine Eigenart“, sagt Winfried Röhmel, Sprecher des erzbischöflichen Ordinariats München. Eine Affäre wolle Röhmel aus den Buddhas zwar nicht machen „Vereinsheime sind eben keine Horte der Intellektualität“, sagt er weiter. Eins sei aber klar: „Beckenbauer hätte keine Buddhas gebraucht.“ Später kommt raus: Klinsmann hat die Figuren gar nicht aufstellen lassen, vielmehr hat Bayern einen Architekten namens Jürgen Meißner freie Hand gelassen. Aber ohne „Klinsis“ Willen geschieht 2008/09 gar nichts beim FC Bayern. Nach zwei Monaten werden die Buddhas wieder abmontiert, durchaus zur Freude der Spieler. Der Brasilianer Zé Roberto etwa sagt: „Mir können die Buddha-Figuren nicht helfen. Ich habe schon meinen Glauben.“

Die erste Meisterschaft in der Bundesliga: Diese erringt der FCB in der Saison 1968/69. Es ist die einzige, die die Bayern im Grünwalder Stadion holen. Aber nur, weil sie 1972 das 17. und letzte Heimspiel bereits im Olympiastadion austragen dürfen.

Special Moments

Die Verpflichtung des schwäbischen Sportinvaliden und der Aufstieg zur Nummer

In einem grauen Sakko steht er da. Das Notizbuch lässig unter den Arm geklemmt, 27 Jahre jung, unternehmungslustig und hoch motiviert. Von Nervosität keine Spur, als er den Blick kurz nach oben richtet und über die Gebäude der Säbener Straße 51 wandern lässt. Zu gut kennt er all das hier. Zu oft ist er als Spieler über den Trainingsplatz gesprintet und durch die Flure gegangen, auf dem Weg zum Fitnessraum. Doch heute fühlt sich alles ein bisschen anders an für den Schwaben aus Ulm mit den großen Ambitionen.

Es ist der 1. Mai 1979 und die Straßen sind wie leergefegt in diesem historischen Moment, von dem keiner weiß, dass es einer ist. Die meisten Leute sitzen bei einem späten Frühstück und genießen den „Tag der Arbeit“. Nicht so Uli Hoeneß. Der steht vor der Eingangstür der Geschäftsstelle des FC Bayern München und weiß nicht so recht, ob er hineingehen soll oder nicht. Als hätte eine unsichtbare Macht seine Gedanken gehört, öffnet sich plötzlich die Tür.

„Uli! Komm rein, komm rein!“ Paul Breitner steht lachend im Türrahmen und winkt den alten Weggefährten in die heiligen Hallen. Dieser fragt sich noch nicht einmal, warum Breitner an diesem sonnigen Feiertag überhaupt in der Geschäftsstelle anzutreffen ist. Fußballprofi durch und durch, lässt dieser bekanntlich keine Trainingsmöglichkeit aus.

„Sie haben mich gestern schon wieder gefragt, ob ich nicht denke, dass du zu jung für den Job bist“, Breitner schielt schelmisch zu seinem ehemaligen Mannschaftskameraden und kann sich auf dem Weg zu Hoeneß' neuem Büro ein Grinsen nicht verkneifen. „Das ist keine Frage des Alters, sondern eine Sache der Leistung, des Engagements, der Ideen. Ich kann doch ein solches Angebot nicht ablehnen, weil ich 27 bin“, erwidert Hoeneß genervt. Zu oft, hat er diese Frage in den letzten Wochen beantworten müssen. „Mit 35 könnte es vielleicht zu spät sein.“

Wenige Wochen zuvor haben eben diese beiden Männer mit einer Spielerrevolution die Bundesliga erschüttert. Der eine mehr, der andere weniger. „Zum ersten Mal in der Geschichte des deutschen Fußballs hatten ein paar Spieler einen ganzen Klub übernommen“, analysiert 2006 der Autor des Buches „Gute Freunde“, Thomas Hüetlin, die Ereignisse im Frühjahr '79. Auf der Rückreise von einem 0:0 in Braunschweig schließen sich die Spieler auf Kommando von Breitner und Torwart Sepp Maier zusammen, als sie erfahren, dass Max Merkel für Gyula Lorant als neuer Trainer kommen soll – entgegen der Abmachung mit dem Präsidenten.

Sie lehnen die Verpflichtung des Trainerdiktators demokratisch, mit 16:0 Stimmen, ab. Käme er, wollten sie am Montagmorgen aus Protest das erste Training unter Merkel verweigern. Ihre Sturheit siegt und Merkel wird nie kommen. Aus Fassungslosigkeit über so viel Renitenz tritt Präsident Wilhelm Neudecker am Montag darauf zurück.

Eine meuternde Mannschaft, die ihren Präsidenten zum Rücktritt treibt? Unglaublich. „Mit einem solchen Kapitän und dieser Mannschaft kann ich nicht weiter zusammenarbeiten“, hat er am 19. März 1979 gegenüber der Mannschaft erklärt, „ich wünsche Ihnen und Ihren Familien alles Gute. Auf Wiedersehen.“ Die Republik macht Kapitän Sepp Maier verantwortlich, obwohl tatsächlich die komplette Mannschaft hinter dem Putsch steht. Gerade noch freut man sich darüber, die rebellische Jugend weitgehend von den Straßen vertrieben zu haben, da rütteln hoch bezahlte Fußballer an den Grundfesten des Geschäfts. Der Arbeitgeber bestimmt über Entlassungen und Neueinstellungen, die Arbeitnehmer dürfen sich ob der Entscheidungen freuen oder ärgern. Eine Art Betriebsrat mit paritätischen Mitbestimmungsrechten bei der Besetzung der leitenden Angestellten eines Fußballklubs gibt es nicht, ein Streikrecht der Arbeitnehmer bei der Besetzung von Trainer- oder Managerposten schon gar nicht.

Uli Hoeneß hat mit dem Sturz der Führungsetage nur indirekt zu tun, da er zur Zeit des Umbruchs an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen ist. Dennoch, Hoeneß handelt noch im Vorjahr einen Sponsorenvertrag zwischen Bayern München und Traktorenhersteller Magirus-Deutz aus seiner Heimatstadt Ulm aus. Die Gelder, so die Bedingung, dürfen ausschließlich für eine Sache verwendet werden: Den Rückkauf seines Freundes und alten Weggefährten Paul Breitner von Eintracht Braunschweig. Hoeneß hat somit den „Revoluzzer“ zurück nach München geholt und indirekt einen Umbruch angestoßen, von dem er am Ende am meisten profitieren wird. Breitner übernimmt das sportliche Kommando unter Neu-Trainer Pal Csernai und Uli wird unmittelbar nach seinem Karriereende als Profi, wozu ihn sein kaputtes Knie zwingt, Manager.

FC Bayern München
Abb.1.2.33 Uli Hoeneß als Junior 1970 beim FC Bayern. Foto: Imago Images/Fred Joch

Im ersten Stock angekommen, bleiben die Buddys vor der Tür stehen, hinter der symbolisch die ungewisse Zukunft wartet. „Wir müssen das Schild austauschen“, stellt Paul Breitner fest. „Nach dir, bitte! Ist ja schließlich deins.“ Uli Hoeneß öffnet erstmals die Tür zu seinem neuen Büro. Ein Schreibtisch, ein Sideboard, ein Telefon. Protzig ist anders. Als sich Breitner verabschiedet, nimmt der neue Manager des FC Bayern das erste Mal hinter seinem Schreibtisch Platz und lächelt in die Kamera. Ein Pressefotograf darf nicht fehlen in diesem bedeutsamen Moment der Vereinsgeschichte, PR-Profi Hoeneß weiß das. Auf dem Tisch liegen noch ein paar Unterlagen seines Vorgängers. Finanzpläne und Bilanzen. Uli stöbert interessiert und entdeckt die Gewinnermittlung des Vorjahres.

„Zwölf Millionen Mark Umsatz? Nicht gerade viel“, murmelt er sich zu und greift zum Telefonhörer. Nach nur zwei Stunden verlässt er sein Büro an der Säbener Straße und geht, Notizbuch unter dem Arm, die Treppen hinab. Viel kann er heute nicht ausrichten, an diesem Feiertag ist kaum einer im Büro. Aber es kommen noch andere Tage. Viele Tage, die Gelegenheit bieten, Geschichte zu schreiben. Und er nutzt sie bis zum 15. November 2019, als er als Präsident des FC Bayern München abtritt.

Den Umsatz steigert er: Von 6.0 Mio. Euro auf 750,4 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2018/19. Allein der Vorsteuergewinn wird bei seinem Abschied mehr als 15-mal so hoch sein als der Jahresumsatz, den er bei Amtsantritt vorfindet. Die Demission von Wilhelm Neudecker und der Amtsantritt von Uli Hoeneß beim FC Bayern München sind zwei ganz spezielle Momente in der Geschichte des erfolgreichsten deutschen Fußballklubs.

7. Autor: Sophie Hargesheimer↩

Weise Worte

Zitate für die Ewigkeit

„Ehe ich zu den Bayern gehe, gehe ich lieber in den Sudan oder lasse mir die Hand abhacken.“ Rudi Völler, damals bei Werder Bremen

„Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage."

Franz Beckenbauer

„Die großen Trainer haben schließlich alle gesoffen: Weisweiler, Happel, Zebec. Und ich gehöre ja auch zu den Großen.“ Udo Lattek über die Trinkgewohnheiten seines Berufsstands

„Wenn er der Obama des deutschen Fußballs ist, bin ich Mutter Teresa."

Uli Hoeneß über Jürgen Klinsmann

„Ein Lothar Matthäus lässt sich nicht von seinem Körper besiegen, ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über sein Schicksal."

„Ein Lothar Matthäus kann es sich nicht leisten, sich zu blamieren." „Ein Lothar Matthäus braucht keine dritte Person. Er kommt sehr gut allein zurecht." „I hope we have a little bit lucky." Lothar Matthäus

„Ich denke, die Götter haben Respekt vor mir."

Oliver Kahn

„Weiter machen, immer weiter machen.“ Oliver Kahn nach der Last-Minute-Meisterschaft 2001

„Fußball ist keine Mathematik!“ Karlheinz-Rummenigge nach dem Spiel gegen Bolton United

2:2), in dem Trainer Ottmar Hitzfeld allzu stark rotiert hat.
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Über dieses Projekt

„AKTE FC BAYERN" ist ein Dossier über FC Bayern München. Ziemlich ungerecht, bewusst einseitig — aber mit viel Liebe zum Detail und dem nötigen Respekt.

Teil der Akte Bundesliga-Serie — 18 Club-Dossiers über die Bundesliga-Vereine.

Autoren: Thomas Look & Udo Muras
Redaktion: Bilder: Imago Images
Produktion: Marcus Brauer, Denis Tuksar